Krimi


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07084-2
Preis: 24,00 €
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Drei

Dror Mishani, Rezension von Bernhard Söthe

Der Bestseller aus Israel, der dort monatelang den Platz 1 der Bestsellerliste belegte, jetzt auch in deutscher Sprache. In Israel ist auch eine TV-Serie in Vorbereitung. Auf dem Umschlag steht Roman, nicht ganz falsch, das Buch beginnt wie ein normaler, moderner Großstadtbeziehungsroman, aber im letzten Drittel wird es ein veritabler Kriminalroman. "Drei" soll heißen: drei Frauen.

1. Die erste, eine Lehrerin mit neunjährigem Sohn, die gerade eine üble Scheidung hinter sich hat, braucht dringend etwas Ablenkung und Trost, am besten männlichen. Mangels Zeit und Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu machen - sie ist auch ein bisschen außer Übung - , gibt ihr eine Freundin den Tipp, es mit einem Online-Dating-Portal zu probieren. Einige der Dates entpuppen sich sofort als Flop, einige Später. Aber eine Begegnung lässt sich etwas besser an und stimmt sie hoffnungsvoll. Er ist Rechtsanwalt ...

2. Die zweite ist eine junge Frau aus Lettland, die illegal in Israel als Altenpflegerin arbeitet. Eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung hat sie nicht. Sie hat panische Angst davor, ausgewiesen zu werden. Zurück nach Riga will sie auf gar keinen Fall. Der Sohn eines alten Herrn, den sie bis zu seinem Tod gepflegt hat, ist Rechtsanwalt und kann ihr bei ihren rechtlichen Problemen vielleicht helfen ...

3. Die dritte ist Mutter von drei Kindern, die letzte Geburt liegt gerade 10 Monate zurück, sie fühlt sich in ihrer Rolle als Mutter hoffnungslos überfordert. Ihr Mann, ein Berufssoldat, ist ihr im Alltag keine Hilfe, weil selten zu Hause. Manchmal fragt sie sich, ob er überhaupt registriert hat, dass die Familie kürzlich um eine Tochter größer geworden ist. Möglichst viele Aufgaben deligiert sie an eine Tagesmutter, um täglich ein paar Stunden in ihrem Lieblingscafé verbringen zu können, wo sie versucht, an ihrem geplanten Buch weiter zu schreiben. In dem Café fällt ihr ein Mann auf, der dort ebenfalls Stammgast zu sein scheint. Bei einer Zigarettenpause vor dem Café kommen die beiden ins Gespräch. Er ist Rechtsanwalt ...

Dre Frauen und ein Mann - ein Mann, dem die Frauen besser nicht begegnet wären!

 


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07046-0
Preis: 24,00 €
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Dead Lions

Mick Herron, Rezension von Bernhard Söthe

Jackson Lamb ist der - vorsichtig formuliert - etwas eigenwillige Chef einer Außengruppe des englischen Geheimdienstes. Im herunter gekommenen "Slough House", weit von der schicken Geheimdienst-Zentrale im Regent's Park entfernt, sind die Loser der Behörde konzentriert. Ein halbes Dutzend Geheimdienstler, die irgendwann im Laufe ihrer Karriere unangenehm aufgefallen sind. Nicht unbedingt Dummköpfe, aber Sonderlinge oder schlicht Pechvögel, mit denen niemand gerne zusammenarbeitet. Zum down gegradeten Personal und den herunter gekommenen Büros passt der Chef Jackson Lamb. Auch er hat sich in der Chefetage des Geheimdienstes unbeliebt gemacht und ist im "Slough House" geparkt. Beschäftigt werden die abgehalfterten Agenten mit völlig unwichtigen Archiv- und Rechercheaufgaben. Darüber ist Jackson Lamb erhaben. Er verbringt seine Arbeitstage damit zu rauchen  (das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden ignoriert er souverän), Whisky  zu trinken  und an die Decke zu starren. Zum Leidwesen seiner Untergebenen scheut Lamb regelmäßigen Einsatz von Wasser und Seife. Sein "neuer" Mantel ist 15 Jahre alt, auch der Rest seiner Kleidung wäre in jeder Altkleidersammlung angewidert aussortiert worden. Einmal, als Jackson Lamb in einer ausgedehnten Arbeitspause ein wohlverdientes Nickerchen auf einer Parkbank gemacht hat, findet er nach dem Aufwachen in dem Coffee-to-go-Pappbecher, den er neben sich abgestellt hatte, 42 Pence, die er dankend einsteckt. Außer seinem verlotterten Äußeren hat er noch einige andere nicht unbedingt gesellschaftsfähige Eigenarten. Jackson Lamb ist alleinstehend.

Seine große Zeit im Geheimdienst begann noch zur Zeit des Kalten Krieges. Seine damaligen Kollegen sind längst im Ruhestand bzw in alle Winde zerstreut. Als einer dieser ehemaligen Kollegen unter dubiosen Umständen tot in einem Linienbus gefunden wird, erwacht Jackson Lamb aus seiner Lethargie, und er und seine Untergebenen beginnen mehr oder weniger auf eigene Faust zu ermitteln, da die Chefetage des Geheimdienstes sich weigert, aktiv zu werden.

Und die lahmen Gäule und schlafenden Löwen laufen zu großer Form auf. Merke: "Ein Löwe, der gähnt, ist nicht müde, ein Löwe, der gähnt, ist gerade aufgewacht."

Zeitgleich mit dem "Dead Lions" ist der erste Band der Reihe um Jackson Lamb und seine Crew "Slow Horses" als Taschenbuch erschienen.

Beide Agententhriller sind unabhängig voneinander lesbar. Wobei in dem ersten Band der Vorgeschichte der aussortierten Geheimdienstler etwas mehr Raum gegeben wird. Für die Leser von John le Carré und die Freunde des schwarzen englischen Humors.


Verlag: Tropen
ISBN: 978-3-608-50421-7
Preis: 24,00 €
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Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Stuart Turton, Rezension von Kathrin Allkemper

Aidan Bishop befindet sich auf dem alten, wahrlich heruntergekommenen Anwesen der Familie Hardcastle. Weder weiß er, wie er dort hingekommen ist, noch was er genau dort zu tun hat. Außer ihm sind noch zahlreiche andere Gäste da, und es wimmelt vor Dienern, Hausmädchen und anderen Hausangestellten, die eine große Feier vorbereiten, denn es soll zu Ehren von Tochter Evelyn ein Maskenball stattfinden. Zumindest lautet so die offizielle Version. Doch die junge Miss Hardcastle überlebt diese Feier nicht. Sie wird in dieser Nacht ermordet.

Der arme Aidan wird diesen schicksalhaften Tag immer wieder erleben und zwar immer in einem anderen Körper. Es ist, als würde seine Seele jeden Morgen in einem anderen Wirtskörper aufwachen, mal im Butler, mal im Sohn des Hauses, der Tag jedoch läuft immer gleich ab. Die einzige Chance aus dieser Spirale zu entkommen, ist die Antwort auf die Frage, wer Evelyn Hardcastle auf dem Gewissen hat. Dafür gilt es, sich selbst ein Stückchen voraus zu sein und mit List und Tücke die Zeitschleife aufzurütteln. Eine sehr originelle Story mit zahlreichen überraschenden Wendungen. Der Autor hat drei Jahre an dem Titel gearbeitet, und das merkt man dem 600-Seiten- Werk auch an. Selbst für Sherlock Holmes wäre es eine verdammt harte Nuss gewesen.  Ich fand es ganz klasse!

 


Verlag: Fischer Scherz
ISBN: 978-3-651-02588-2
Preis: 15,00 €
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Die Stille des Todes

Eva Garcia Saenz, Rezension von Bernhard Söthe

Dieser Krimi spielt in Vitoria, der historischen Hauptstadt des spanischen Baskenlandes.

In der mittelalterlichen Kathedrale der Stadt wird ein totes Paar gefunden. Mann und Frau, beide sind nackt, liegen nebeneinander, die Hände jeweils an die Wange des anderen geschmiegt, auf skurrile Weise durch Bienenstiche in den Rachen getötet.

Inspektor Ayala nimmt die Ermittlungen auf. So absonderlich die Todesart und die Herrichtung der Toten auch ist, so etwas hat es in Vitoria vor 20 Jahren schon einmal gegeben. Ein Serientäter hatte damals die Stadt in Angst und  Schrecken versetzt. Es gab zahlreiche Opfer, immer durch Bienenstiche getötet, immer auf dieselbe Art hergerichtet. Ein junger Mann aus einer der ältesten und reichsten Familien der Stadt wurde wegen dieser Morde vor Gericht gestellt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Wurde damals der Falsche angeklagt und verurteilt?

Tatsächlich wid die Mordserie fortgesetzt, und jemand (der Mörder? ein Zeuge?) beginnt, Inspektor Ayala per Twitter mit geheimnisvollen Botschaften, die die Morde betreffen, zu überschütten. Ein Katz- und Maus-Spiel beginnt, und der Mörder hat immer die Nase vorn. Mehreres macht diesen Krimi ungewöhnlich. Inspektor Ayala ist der Ich-Erzähler, nur aus seiner Perspektive erlebt der Leser den Fall. Man erfährt auch viel über das soziale Leben in Vitoria. Familie und Freundesclique sind ganz wichtig. Niemand kann sich ein Leben ohne diesen schützenden und wärmenden Kokon vorstellen. Auch Inspektor Ayala ist selbstverständlich in seiner Familie - sein Bruder, ein Anwalt, und sein über 90jähriger Großvater sind wichtige Bezugspersonen) und in seinem Freundeskreis aufgehoben. In schwierigen Situationen findet er dort Halt und Rat. Der Baske Ayala (Baske - nicht Spanier, Basken legen großen Wert auf diesen Unterschied, auch darüber erfährt man einiges in diesem Krimi) ist ganz anders als die skandinavischen Kommissare, die ja oft in schwierigen Familiensituationen stecken oder vereinsamt sind, alkoholabhängig oder sonst wie krank sind und schwer am Leben leiden.  Natürlich hat der Baske Ayala auch Probleme, aber er geht sie anders an als seine nordischen Kollegen. Liegt es an dem blauen Himmel über Vitoria? Den angenehmen klimatischen Bedingungen? Oder am menschlichen Umgang der Südländer miteinander? Wie auch immer, dieser Krimi ist ganz anders als die üblichen. Nicht nur dem Zwischenmenschlichen gibt die Autorin in ihrem Buch weiten Raum, auch ihre Heimatstadt Vitoria wird liebevoll beschrieben. Eigentlich müsste man mal nach Vitoria fahren, um sich selbst von der Schönheit der Altstadt zu überzeugen.

"Die Stille des Todes" ist der erste Band einer Reihe mit Inspektor Ayala. In Spanien gibt es bereits drei. Alle haben lange auf der spanischen Bestsellerliste gestanden.


Verlag: Piper Verlag
ISBN: 9783492311021
Preis: 10,00 €
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Silent Scream - Wie lange kannst du schweigen?

Angela Marsons, Rezension von Bernhard Söthe

 

Kim Stone, 34 Jahre, Single, ist Detective bei der West Midland Police in der wohl heruntergekommensten Gegend Englands. Kim Stone ist in ihrer spärlichen Freizeit passionierte Motorradfahrerin. Zur Entspannung restauriert sie ein historisches Motorrad aus den frühen 50er Jahren der letzten Jahrhunderts.

Ihren Kollegen und anderen Mitmenschen zeigt Kim nur ihre stachelige Außenseite. Ihre spitze Zunge ist allseits gefürchtet. Sie hat auch ihr Päckchen zu tragen, ihre Mutter ist wegen Schizophrenie in einer psychiatrischen Anstalt weggeschlossen, und seit ihrer frühen Kindheit erlebte Kim den Albtraum wechselnder Pflegefamilien und diverser Kinderheime. Nie fühlte sie sich irgendwo willkommen, nie irgendwo zuhause, nie konnte sie ein Vertrauensverhältnis zu anderen Menschen aufbauen. Aber trotz ihrer schwierigen Persönlichkeit hat sie bei der Kriminalpolizei schnell Karriere gemacht und ist Leiterin des Ermittlungsteams.

Als die Leiche einer Schulrektorin gefunden wird – sie wurde in ihrer Badewanne ertränkt – bekommen Kim Stone und ihr Team den Fall zugeteilt. Einige Tage später wird ein Koch ermordet, dem Opfer wurde die Kehle durchgeschnitten. Zunächst weist nichts darauf hin, dass die beiden Fälle etwas miteinander zu tun haben. Aber als sich herausstellt, dass beide Mordopfer zur gleichen Zeit in einem seit einigen Jahren geschlossenen Mädchenheim gearbeitet haben, ist Kim Stones Misstrauen erwacht.

Neben der ausgebrannten Ruine des Mädchenheims liegt ein verwahrlostes Grundstück. Seit Jahren versucht ein Archäologieprofessor für dieses Gelände eine Grabungsgenehmigung zu bekommen, dort werden mittelalterliche Relikte vermutet. Aus undurchsichtigen Gründen wird die Erteilung der Genehmigung immer wieder verzögert. Hinter dieser Blockade steckt der Parlamentsabgeordnete des Bezirks. Vor seiner politischen Karriere war er der Verwaltungschef des damaligen Mädchenheims. Als zwei weitere ehemalige Mitarbeiter des Heims auf dubiose Weise ums Leben kommen, nehmen die Ermittlungen Fahrt auf.

Kim Stone zur Seite steht ihr Assistent, Detective Sergeant Bryant, der es in leidvoller Erfahrung gelernt hat, mit Kim Stones eigenwilliger Persönlichkeit umzugehen.

Die Reihe soll fortgesetzt werden.

 


Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 9783839225202
Preis: 12,00 €
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Zechentod

Sylvia Sabrowski, Rezension von Bernhard Söthe

 

Liesa Kwatkowiak, gebürtig aus Bottrop, lebt in Bottrop und studiert Psychologie in Bochum-Querenburg, d.h. Sie versucht zu studieren. Sie leidet aber nach dem qualvollen Krebstod ihrer Mutter zunehmend unter Angstattacken, die ihr Leben und Studium schwer machen.

Halt sucht und findet sie bei ihrer Oma. Omma Kwatkowiak ist eine typische Ruhrpottoma mit Kittelschürze und geblümter Wachstuchdecke auf dem Küchentisch. Sie wohnt in einer der alten Bergarbeitersiedlungen Bottrops und ist die Seele der Nachbarschaft.

So sitzt auch Nachbarin Martina Goretzka weinend in ihrer Küche. Seit einigen Tagen ist ihr Mann Andy spurlos verschwunden und die Polizei, bei der sie eine Vermisstenanzeige erstattet hat, nimmt den Fall auf die leichte Schulter. Andy Goretzka wäre nicht der erste Ehemann, der mal kurz Zigaretten holen geht und das Nachhausekommen vergisst. Das kann sich Martina bei ihrem Andy aber gar nicht vorstellen. Zufällig ist auch Psychologiestudentin Liesa in Ommas Wohnküche anwesend, und die resolute alte Dame „überredet“ Liesa , sich um den Fall des verschwundenen Ehemanns zu kümmern. Wer, wenn nicht eine fast fertig studierte Psychologin, kennt sich denn mit den Abgründen der menschlichen, in diesem Fall männlichen Seele aus? Überrumpelt erklärt sich Liesa bereit, auf der Suche nach Andy Goretzka. Ihr zur Seite steht Timo, der Sohn des Vermissten. Liesa kennt Timo noch aus Kindertagen als rotznasigen, nervigen Bengel, der sich überraschenderweise zu einem gutaussehenden jungen Mann gemausert hat, der auch noch über exzellentes Computerwissen verfügt.

Schnell finden die beiden heraus, dass Frührentner Andy aus purer Langeweile geplant hat, seine Erinnerungen an die Zeit als Bergmann unter Tage auf Prosper-Haniel zu Papier und zur Veröffentlichung zu bringen. Geschrieben hat er zwar noch keine Zeile, jedoch großflächig seine Pläne kundgetan. So will er auch über einen mysteriösen Todesfall Anfang der 90er Jahre schreiben. Damals war ein junger Bergmann unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Ein Arbeitsunfall? Oder hat da jemand nachgeholfen? Der ehrgeizige junge Bergmann hatte sich bei seinen Kollegen nicht beliebt gemacht. Im Zusammenhang mit diesem Todesfall fällt auch oft der Name des Steigers Schleheck, der eigentlich für die Sicherheit der Bergleute seiner Schicht zuständig war. Hat Andy Goretzka mit seinem Herumgequatsche schlafende Hunde geweckt? Will ihn jemand zum Schweigen bringen? Liesa und Timo versuchen, dieser Spur nachzugehen.

 


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-23529-7
Preis: 10,00 €
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Something in the water - Im Sog des Verbrechens

Catherine Steadman, Rezension von Bernhard Söthe

Warum die verlagsübergreifende Mode, Krimis mit englischen Titeln zu versehen, immer noch grassiert, weiß ich nicht. Catherine Steadmans Krimi ist so ungewöhnlich, dass er sich auch mit deutschem Titel gut verkaufen würde. 

London, heute: Erin und Mark sind schon länger ein Paar. Jetzt soll endlich geheiratet werden. Erin setzt die Pille ab, sie will sich endlich ihren Kinderwunsch erfüllen. Mark ist Banker in der Londoner City, er hat einen überaus lukrativen Job. Das Haus, in dem Erin und er leben, ist zwar noch mit Hypotheken belastet, hat aber jetzt schon einen Marktwert von 1,5 Millionen Pfund. Erin ist Dokumentarfilmerin. Von einer kulturellen Stiftung hat sie finanzielle Unterstützung für die Dreharbeiten zu ihrem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm bekommen. Erin filmt und interviewt drei Gefängnisinsassen einige Wochen vor ihrer Entlassung, und der Plan ist, sie einige Wochen nach ihrer Entlassung noch einmal zu interviewen, um zu dokumentieren, wie die Ex-Sträflinge mit ihrer Freiheit zurecht kommen. Es sind eine Diebin, eine Frau, die sich schuldig gemacht hat, weil sie ihrer schwerkranken Mutter beim Suizid geholfen hat und ein Mann, den man wohl zurecht als Schwerverbrecher und Unterweltgröße bezeichnen könnte. Die ersten Interviews sind gemacht, die in Freiheit werden in einigen Wochen folgen. Aber zunächst wir geheiratet und zwar richtig groß mit vielen Gästen, einem teuren Bankett und anschließend zwei Wochen Flitterwochen in einem Luxusresort auf Bora Bora, einem Südseeinselparadies. In die euphorischen Festvorbereitungen platzt eine Hiobsbotschaft. Mark verliert von jetzt auf gleich seine Stelle bei der Bank, und eine neue ist nicht in Sicht. Das Bankett wird abgesagt, die Hochzeit aber nicht, die sündhaft teuren Flitterwochen werden auf eine Woche verkürzt. Nach der Hochzeit, die in deutlich bescheidenerem Rahmen als geplant, stattfand, fliegen Erin und Mark  in die Südsee. Mark ist begeisterter Hobbytaucher. Erin nicht. Aber Mark zuliebe traut sie sich dann noch, an einem Tauchausflug teilzunehmen. In 20 Metern Tiefe finden die beiden nicht nur eine exotische Unterwasserwelt, sondern auch ein wohl kürzlich bei einem Tropensturm abgestürztes Kleinflugzeug, und sie finden etwas, was sie mitnehmen und besser an Ort und Stelle gelassen hätten ...

 


Verlag: Scherz
ISBN: 978-3-651-02572-1
Preis: 14,99 €
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Outback

Chris Hammer, Rezension von Kathrin Allkemper

Ein Jahr ist vergangen, seit es in dem kleinen Outback-Städtchen „Rivers End“ zu einer Katastophe kam. An jenem Sonntag trat der Pfarrer aus der Kirche und erschoss gezielt fünf Männer aus seiner Gemeinde, bevor er selbst durch die Kugel eines Polizisten starb.

Heute mag niemand so recht darüber sprechen, und wenn doch, dann sprechen die meisten in den höchsten Tönen von ihrem Pfarrer, er war sehr beliebt. Doch wie passen die Worte der Menschen zu einem Mörder? Der Journalist Martin Scarsden versucht sich ein Bild darüber zu machen, welche Folgen die Tat für die Stadt und seine Bewohner bis heute hat, aber schnell muss er entdecken, dass es mehr als nur eine Wahrheit gibt. Außerdem bekommt der Stadtmensch sehr schnell zu spüren, wie hart das Leben im Outback wirklich ist.


Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-03882-113-7
Preis: 10,00 €
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Die toten Katzen von London

Mark Billingham, Rezension von Bernhard Söthe

Im Großraum London geht ein Katzenmörder um. Die Tiere werden scheußlich massakriert. Außer den geschockten Besitzern interessiert das niemanden. Erst als die Boulevard-Presse auf das Thema anspringt, wird die Öffentlichkeit aufmerksam. Ein Fall für die Kriminalpolizei? Eher nicht, schließlich gibt es genug "richtige" Mörder zu überführen. Trotzdem schrillen bei der Mordkommission die Alarmglocken, gesetzt den Fall, der Katzenmörder "übt" nur und sucht nach dieser "Warum up"-Phase menschliche Opfer? DI Tom Thorne wird mit den Ermittlungen beauftragt. Der jeglicher körperlicher Ertüchtigung eher abholde Tom Thorne spinnt den Gedanken des "Warm up" weiter. Was, wenn der Täter schon in der "Cool Down"-Phase ist? Dann hätte es ja schon menschliche Opfer gegeben? Thorne und seine Kollegin Tanner werfen einen Blick auf die ungeklärten Mordfälle der letzten Zeit und dank ausgeklügelter Algorithmen - Tanner ist auf dem Gebiet der Computer-Recherche unschlagbar -  finden die beiden Kollegen heraus, dass in den letzten Monaten fünf Frauen ermordet wurden, in keinem Fall konnte ein Täter ermittelt werden. Die Fälle haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Doch es gibt Gemeinsamkeiten. Alle Frauen waren alleinstehend, alle wurden an Wochenenden umgebracht, der Täter hinterließ an den Tatorten (immer die Wohnungen der Opfer) keine verwertbaren Spuren. Alle fünf ermordeten Frauen hatten über die kleine, eher unbekannte Internetpartnerbörse "Made in heaven" Männerbekanntschaften gesucht. Thorne und Tanner finden bei ihren Recherchen heraus, dass die Internetseite von "Made in heaven" mehrmals gehackt worden ist. Irgendjemand hat sehr persönliche Daten der Kundschaft abgefischt. Mit großem Personalaufwand, gegen den anfänglichen Widerstand ihrer Vorgesetzten (Kosten!) versuchen Thorne und Tanner, dem Täter eine Falle zu stellen ...

Mark Billingham ist in England ein sehr erfolgreicher Krimiautor. Es gibt weitere Krimis mit Thorne, Tanner und Kollegen. Alle lassen sich auch als "Einzelstücke" lesen und verstehen. Beste englische Krimitradition!

 


Verlag: Piper
ISBN: 9783492235297
Preis: 10,00 €
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Something in the water

Catherine Steadman, Rezension von Kathrin Allkemper

Mark und Erin sind wohl das, was man ein gut situiertes, junges Paar nennen würde. Sie haben eine schicke Wohnung und beide einen sehr guten Job. Mark ist Investmentbanker und Erin Dokumentarfilmerin. Aktuell arbeitet sie an einem Bericht über Menschen im Gefängnis. Dazu nimmt sie Kontakt zu drei Straftätern auf, die sie während und nach der Zeit hinter Gittern interviewen will. Einer von ihnen ist Eddie Bishop, der unter anderem ein paar Morde auf der Liste hat. Natürlich ist Erin dementsprechend sehr nervös, als sie ihn das erste Mal aufsucht. Und tatsächlich ist es unheimlicherweise so, dass nicht nur sie Informationen über ihn eingeholt hat, nein, Eddie weiß auch erstaunlich viel über Erin. Wie kann das sein, so ganz ohne Zugang zum Internet?! Selbst über ihre bevorstehenden Heirat ist er im Bilde...

Erin und Mark verbringen ihre Flitterwochen auf Bora Bora. Anlässlich ihrer Hochzeit wollen sie sich einmal den totalen Luxus im Paradies gönnen. Obwohl Erin immer Angst vor Wasser hatte, schafft es ihr frischangetrauter Ehemann, sie zum Tauchen zu überreden. Anfangs läuft alles gut, doch dann machen sie dort unten im Wasser eine Entdeckung, die ihr Leben von Grund auf verändern wird. Zudem steht in ihrem Zimmer plötzlich eine Flasche Champagner, mit freundlichen Grüßen von Eddie Bishop...

Spannender Krimischmöker!


Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-29097-3
Preis: 12,99 €
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Unbarmherzig

Inge Löhnig, Rezension von Jutta Pollmann

Ella Loibl muss mal raus aus ihrem Steinmetzbetrieb. Seit dem Tod ihres Mannes hat sie nicht nur Schulden, sie hat einen riesigen Berg Schulden. Gerade wächst ihr alles über den Kopf. Sie schwingt sich auf ihr Fahrrad und fährt einfach los, vorbei am neuen Gewerbegebiet, das gerade am Rande von Altbruck entsteht. In Gedanken ist sie weit weg, doch plötzlich sieht sie etwas, was nicht zu den Baumaterialien passt, die hier überall rumliegen: einen Totenschädel und weitere Menschenknochen.

Gina Angelucci, Kommissarin bei der Münchener Kripo, hat gerade ihre Elternzeit beendet, nun übernimmt ihr Mann und Kollege Tino Dühnfort den Job. Sie ist für sogenannte Cold Cases zuständig, Fälle also, die nie gelöst wurden. Ihr liegt dieser Job sehr am Herzen, möchte sie doch, dass auch diese Fälle irgendwann zu einem Abschluss kommen, möchte den Toten Namen geben und den Hinterbliebenen Gewissheit.

Doch die beiden Fälle, die sie mit ihrem Kollegen bearbeiten soll, interessieren sie nicht halb so viel, wie die Knochenfunde in Altbruck, einem Dorf in der Nähe von München. Der Staatsanwalt will ihr die Genehmigung zur Untersuchung zunächst nicht geben, schließlich liegen die Knochen – wie sich bei einer Untersuchung herausstellt - schon seit mehr als 70 Jahren dort, vermutlich irgendwelche Soldaten oder Deserteure aus dem 2. Weltkrieg. Die Gerichtsmedizin analysiert, dass die weibliche Tote aus dem Baltikum stammt, also wohl eine Fremdarbeiterin war, die in der Heeresmunitionsanstalt in Altbruck gearbeitet hat. Der männliche Tote hingegen ist Einheimischer gewesen. Wer waren die beiden? Was hatten sie miteinander zu tun? Wie sind sie umgekommen?

Gina Angelucci setzt alles daran, damit sie ermitteln darf. Schnell stellt sich heraus, dass der Tote Benedikt Anger, der Bruder von Lisbeth Anger, Ella Loibl`s Mutter ist. Doch der ist angeblich in Polen gefallen, hatte sich Halsüberkopf zur Wehrmacht gemeldet. Lisbeth Anger kann sogar einen amtlichen Brief vorlegen. Ist Bene nie in Polen gewesen? Wer hat dieses Dokument ausgestellt? Und was verschweigt die totkranke alte Toni Schattenhofer, deren Vater Hans während des Dritten Reichs eingefleischter Nazi und Bürgermeister von Altbruck war und dem Lisbeth Anger bis heute die Schuld am Tod ihres Bruders gibt. Doch bei ihren Recherchen muss Gina Angelucci feststellen, dass nicht jeder im Dorf daran interessiert ist, was damals wirklich geschah.

 


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46932-3
Preis: 14,95 €
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Marlborough Man

Alan Carter, Rezension von Kathrin Allkemper

Nick Chester war nicht immer der „Marlborough Man“, der in den Marlborough Sounds im Norden der Südinsel Neuseelands lebt. Doch hierhin, ans hinterste Ende der Welt, hat man ihn und seine Familie zu seinem eigenen Schutz geschickt. Zuvor hatte er sich in England undercover in eine üble Gang eingeschlichen und diese auch tatsächlich ans Messer geliefert. Doch Sammy, der Kopf der Bande, lässt seine brutalen Rachepläne selbst aus dem Gefängnis heraus ausführen. Sie suchen ihn- überall. Und wenn sie Nick finden, wird er es nicht überleben…

Doch noch lebt er und hat ein neues Leben als Polizist in einer kleinen Provinz Namens Havelock begonnen. Das Landleben hat allerdings auch seine Tücken und vor einflussreichen Politikern und rassistischen Beamten kuschen liegt Nick einfach nicht. Aber um unauffällig zu bleiben, akzeptiert er zunächst einiges, bis besagter Politiker das Gesetz selbst in die Hand nimmt, um seine Interessen durchzusetzen. Als dann noch ein unheimlicher Kinderfänger sein Unwesen treibt, ist es mit dem zurückgezogenen, sicheren Leben vorbei und mittlerweile scheinen ihn auch seine Verfolger aufgespürt zu haben. Nick hilft nur die Flucht nach vorne..

Von Anfang an sehr spannender, aus der Ich-Perspektive erzählter Thriller, der gerade an den Passagen, wo es um Nicks Zeit in der Gang geht, recht brutal ist.


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43968-9  
Preis: 9,99 €
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Achtsam morden

Karsten Dusse, Rezension von Kathrin Allkemper

Björn Diemel ist Rechtsanwalt und arbeitet in einer großen Kanzlei, die unter anderem bei zwielichtigen Gestalten sehr angesehen ist. Er macht zahlreiche, sehr gut bezahlte Überstunden, um allen voran seinem Klienten Dragan dabei zu helfen, Geldwäsche, Steuerhinterziehung etc. einigermaßen legal hinzustellen. Auf den Punkt gebracht könnte man also sagen, dass er dort hauptsächlich angestellt ist, um einen der größten Kriminellen bei Laune zu halten, damit die Kanzlei und auch er selbst beste Gewinne erzielen. Seine Frau hasst ihn dafür, obwohl ihr natürlich das große Haus und der gehobene Lebensstandard nicht unangenehm sind. Aber sie wirft Björn vor, dass er nur noch für die Firma lebt und sich nicht genug um sie und die gemeinsame Tochter Emily kümmert. Kurzerhand meldet sie ihn bei einem Achtsamkeitsseminar an und macht unmissverständlich klar, dass eine Absage nicht zur Debatte steht.

Die anfängliche Skepsis weicht sehr schnell einer ganz anderen, äußerst pragmatischen Betrachtung und Handlungsweise, gerade in Bezug auf seinen Stress mit Dragan. Sein hitzköpfiger Mandant hat nämlich soeben den engsten Vertrauten des gegnerischen Clanoberhauptes auf sehr unschöne Art aus dem Leben gerissen. Björn soll dies nun wieder gerade rücken, aber eigentlich hat er das Wochenende für einen gemeinsamen Ausflug mit seiner Tochter geplant, um- ganz achtsam natürlich- an seiner Work-Life-Balance zu arbeiten. Das will er auch unter keinen Umständen verpassen. Und so befindet sich Dragan kurze Zeit später tot in Björns Kofferraum und nach einem äußerst entspannten Wochenende kehrt dieser nach Hause zurück, um es von nun an ganz achtsam mit seiner Frau, der Polizei und dem Rest des Clans aufzunehmen.

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch gelesen und mich herrlich amüsiert. Eine durchaus spannende und nicht unblutige Krimihandlung kombiniert mit Anweisungen, wie man mehr Achtsamkeit in den Alltag einbauen kann.

 

 

 


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43975-7
Preis: 14,99 €
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3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer

Tony Kent, Rezension von Jutta Pollmann

Auf dem Trafalgar Square wimmelt es von Menschen. In wenigen Minuten soll hier ein Feier zu Ehren der britischen Helden in den jüngsten Nahostkriegen stattfinden. Erwartet werden der amerikanische Präsident Knowles mit der First Lady, der ehemalige amerikanische Präsident Howard Thompson, Sir Neil Matthewson, Außenminister für Nordirland und beliebtester Politiker im Lande und Premierminister William Davies, dessen Stern am Politikerhimmel sich im Sinkflug befindet.

Rund um den Platz sind versteckt Scharfschützen untergebracht, die die hohen Häupter schützen sollen. Joe Dempsey vom DDS (Department of Domestic Security) ist für die Sicherheit aller zuständig. Doch kaum hat Präsident Knowles seine Rede begonnen, peitschen Schüsse über den Platz: Howard Thompson wird angeschossen, Sir Neil Matthewson stirbt, genau wie eine DDS-Agentin.

Joe Dempsey kann den Attentäter überwältigen. Eamon McGale wird abgeführt. Die neue IRA übernimmt die Verantwortung für den Anschlag. Noch in der Nacht wird dem Täter Daniel Lawrence als Anwalt an die Seite gestellt. Was bringt einen Universitätsprofessor dazu, sich der neuen IRA anzuschließen und so ein Attentat zu verüben? Lawrence hört sich McGales Geschichte an. In der Nacht begeht dieser angeblich Selbstmord und auch Daniel Lawrence kommt nicht lebend zuhause an.

Doch am nächsten Tag wird dementiert, dass der Angeklagte McGale noch mit einem Anwalt gesprochen hat. Er habe vorher seinem Leben ein Ende gesetzt.

Das allerdings können Sarah Truman und Jack Maguire, Journalisitin und Kameramann bei CNN nicht bestätigen. Sie haben Daniel Lawrence schließlich gesehen, als er seinen Klienten besuchte. Sie ziehen Michael Devlin, Kollegen und besten Freund von Daniel Lawrence ins Vertrauen. Doch Sarah Truman und Jack Maguire werden beobachtet, und Jack stirbt in dieser Nacht durch eine Bombe, die – so stellt sich schnell heraus – für Michael Devlin gedacht war. Man hat anscheinend Angst, dass Daniel Lawrence in der Nacht in seinem letzten Gespräch mit Michael Devlin, Informationen weiter gegeben hat, die man an oberster Stelle nicht veröffentlicht wissen will.

Sarah und Michael müssen fliehen. Gemeinsam mit Joe Dempsey, der mittlerweile undercover ermittelt, begeben sie sich auf die Suche nach dem Mörder, wobei nicht immer klar ist, wer der Jäger und wer der Gejagte ist. Nach und nach kommen sie einer Intirige auf die Spur, die das ganze politische Gefüge Großbritanniens aus den Angeln heben soll.

 

 

Über 600 Seiten, die man verschlingt. Tony Kent ist Anwalt in London arbeitet als Verteidiger und Ankläger. Dies ist sein erstes Buch und man kann nur hoffen, nicht sein letztes. Grisham trifft Follet/le Carré/Harris/Forsyth.


Verlag: Piper
ISBN: 9783492061483
Preis: 16,00 €
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Der schlaflose Cheng

Heinrich Steinfest, Rezension von Karin Bucconi

Nach zehn Jahren ist Markus Cheng, der Wiener Privatdetektiv mit chinesischen Wurzeln zurück und löst seinen fünften Fall. Cheng wähnt sich mit seinen 55 Jahren ungefähr am "Ende der Straße". Sein treuer Hund Lauscher lebt nicht mehr. Er hat dem Alkohol abgeschworen, ebenso dem Verzehr von Fleisch, und auch mit der Liebe hat er nichts mehr am Hut. Schlaf ist Luxus, und nun will Cheng es sich wenigstens in einem bekannten Hotel auf Mallorca ein paar Tage gutgehen lassen. An der Hotelbar lernt er Peter Polnitz, die deutsche Stimme des weltbekannten Hollywoodstars Andrew Wake kennen. Polnitz erzählt ihm, das er allen Schauspielern, die er synchronisiert hat, auch schon begegnet ist. Jetzt endlich würde er in London auch Wake persönlichg treffen, der angeblich neidisch auf die Stimme seines deutschen Sprechers sein soll.

Cheng ist wieder in Wien und hat die Begegnung längst vergessen, als ihm seine Sekretärin eines Tages mitteilt, daß der Schauspieler in seinem Londoner Hotel ermordet aufgefunden wurde. Der Mörder soll ausgerechnet Peter Polnitz sein. Dessen Tochter ist  aber von der Unschuld ihres Vaters überzeugt und beauftragt Cheng, die Unschuld des Synchronsprechers zu beweisen. Seine Recherchen führen ihn von Wien über Frankfurt und London bis auf die Spitze eines Berges in Island, und dabei kommt er einer seltsamen Rache- und Spionagegeschichte auf die Spur...

Steinfest spürt wieder einmal dem Wesen der Dinge nach. Seine Romane sind voller Poesie und dieser fünfte Band ist zugleich eine Reise durch die Literaturgeschichte. Blutiges ist nicht Steinfests Sache. Seine Themen sind immer auch Glauben, Alkohol, Wahrheit, Kunst, Literatur und das Leben selbst.

Ein irrwitziger, ein wenig schräger Krimi. Aber- ich liebe Steinfest, ob Kommissar Lukastik oder die Polizistin Lilli Steinbeck, allesamt verrückte und liebenswerte Figuren, die seine Bücher besonders machen.


Verlag: List
ISBN: 9783471351734
Preis: 17,99 €
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Golden Cage- Trau ihm nicht. Trau niemandem.

Camilla Läckberg, Rezension von Karin Bucconi

Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag. Im Prolog erfährt man von dem schrecklichen Verdacht, daß Julienne scheinbar Opfer eines Verbrechens wurde und Jack offensichtlich der Täter ist...

Die Vergangenheit und ihren richtigen Namen (Mathilda) hat Faye in Fjällbacka zurückgelassen. Ihre Familiengeschichte ist von Brutalität geprägt. Der Bruder begeht Selbstmord. Ihr Vater bringt ihre Mutter um, und sie flieht nach Stockholm, um dort zu studieren. Sie ist jetzt Faye.

Sie lernt viele Menschen kennen, denen sie aber nichts von ihrer Vergangenheit erzählt. U. a. Jack Adelheim, den sie heiratet. An seiner Seite  lebt sie in einem goldenen Käfig. Aus der selbstbewußten jungen Frau, die erheblich am Aufbau des Unternehmens ihres Mannes beteiligt war, wird ganz allmählich ein Hausmütterchen ohne jegliches Selbstbewußtsein. Sie lebt nur für ihre kleine Tochter Julienne und ihn und wird immer unterwürfiger. Wie andere Frauen aus ihren Kreisen erträgt sie sogar die Liebschaften ihres Mannes. Der hat nur noch Verachtung für sie übrig, und als sie eines Tages, früher als geplant, nach Hause kommt, liegt er mit einer Bekannten im gemeinsamen Ehebett. 

Er wirft Faye aus der Wohnung und zahlt ihr nicht einmal Unterhalt. Die neue Frau an seiner Seite ist schwanger, und er heiratet sie.

Ja, und endlich wacht diese früher so kluge Frau auf und erfindet sich neu. Sie hat die Unterstützung ihrer toughen Freundin Chris und ihrer Vermieterin und hält sich zunächst mit Hunde-Sitting über Wasser. Sie will sich an Jack rächen und ihn seiner Existenzgrundlage berauben, und sie findet tatsächlich für ihre Geschäftsidee Mitstreiterinnen, die eine ähnliche Lebensgeschichte haben. Als sie dann auf Jacks Computer einen Film sieht, der sie beinahe aus der Bahn wirft, will sie ihm nicht mehr nur schaden, sondern ihn vernichten...

Die Geschichte spielt in der Gegenwart und in Fayes Vergangenheit, einmal in Fjällbacka und in Stockholm, während des Studiums. Ich hätte das Buch nicht mit dem Untertitel Thriller versehen. Für mich war es ein guter Krimi, wenn auch an einigen Stellen sehr freizügig.

 


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-00005-8
Preis: 10,00 €
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Letzte Spur Algarve

Carolina Conrad, Rezension von Bernhard Söthe

Anabela Silva ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber sie hat portugiesische Wurzeln. Anabelas Eltern sind als Rentner in ihre Heimat, ein Dorf im östlichen Hinterland der Algarve, zurückgekehrt. Dort leben auch noch viele Verwandte, portugiesische Familien sind groß. Aber als Anabelas Vater an beginnender Demenz zu leiden beginnt, bittet Anabelas Mutter ihre einzige Tochter um Beistand. Anabela folgt diesem Ruf nicht ungern, da ihr deutscher Mann sich von ihr hat scheiden lassen. Fast die klassische Geschichte, Anabela wurde gegen ein 20 Jahre jüngeres Modell eingetauscht. Auch um Abstand von ihrer persönlichen Misere zu gewinnen, reist sie in das Dorf ihrer Vorfahren. Wenn sie in Portugal bleiben will, muss sie sich aber überlegen, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen kann. In Deutschland hat sie als Journalistin gearbeitet, was im Hinterland der Algarve schwierig sein dürfte. Im ersten Band der Reihe "Mord an der Algarve" war sie über den Mord an einem deutschen Rentner gestolpert, der hier an der Algarve ein Haus kaufen wollte, und sie konnte der Kriminalpolizei als Übersetzerin helfen.

So kam sie in Kontakt mit Kommissar Almeida, den Anabela mit ungewöhnlichen Ermittlungstricks bei der Aufklärung des Mordes unterstützen konnte. Anabelas Eingreifen, obwohl zielführend, stieß nicht nur auf Begeisterung bei Kommissar Almeida. Aber trotz aller Differenzen sind sich Anabela und der Kommissar nicht unsympathisch, was sie gegenseitig aber gut zu verbergen wissen.

Im ersten Band ist Anabela auch auf eine düstere Familiengeschichte gestoßen. Eine Tante von ihr wurde in den 60er Jahren vom Sohn eines Großgrundbesitzers vergewaltigt und schwanger. Die "Schande" wurde versteckt, das Kind heimlich zur Welt gebracht und sofort zur Adoption freigegeben. Keiner weiß, was aus dem Kind geworden ist. Diese Geschichte, die das Leben ihrer Tante zerstört hat, lässt auch Anabela keine Ruhe. Aber das unliebsame Thema ist in ihrer Familie tabu, und mit eigenen Nachforschungen landet Anabela in einer Sackgasse.

In dem neuen Band "Letzte Spur Algarve" geht es um den Tod einer attraktiven Dänin, die im Pferdestall ihres luxuriösen Anwesens von einem durchgehenden Pferd zu Tode getrampelt wurde. Für den Staatsanwalt in Faro ein klarer Fall. Unfall - Akte geschlossen. Aber der ermittelnde Kommissar Almeida ist mit dieser Entscheidung nicht zufrieden. Im Fall der toten Dänin gibt es viele Ungereimtheiten. Die Dame war längst nicht so beliebt, wie es am Anfang der Ermittlungen schien. Sie hat reihenweise Herzen gebrochen, und woher ihr Reichtum stammt, ist auch ungeklärt. Und wieso ein für seine Sanftheit bekanntes Pferd plötzlich so aggressiv wird und seine Besitzerin angreift, kann auch keiner erklären. Aber Kommissar Almeida sind die Hände gebunden. Da er offiziell nicht weiter ermitteln darf, fällt ihm Anabela Silva ein, die ihm schon einmal auf unkonventionelle Weise bei Ermittlungen geholfen hat, außerdem würde er sie gerne wiedersehen. Anabela hat auch nichts gegen ein Treffen mit dem attraktiven Kommissar. Sie ist aber "not amused", als sie den Grund für das Treffen erfährt. Sie hat weder Lust noch Zeit, für Almeida als "Undercover"-Ermittlerin tätig zu werden. Erst als Almeida verspricht, seine Verbindungen zu nutzen, um ihr bei der Suche nach dem verschollenen Kind ihrer Tante zu helfen, willigt sie ein.


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-05141-4
Preis: 16,00 €
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Der blutrote Teppich - Hollywood 1922

Christof Weigold, Rezension von Bernhard Söthe

Hardy Engel, deutscher Ex-Polizist, Ex-Soldat Kaiser Wilhelms, ist nach dem verlorenen Krieg nach Hollywood ausgewandert, um der deutschen Nachkriegsmisere und einigen privaten Problemen aus dem Weg zu gehen. Hier versucht Hardy Engel sein Glück als Schauspieler in der boomenden Filmindustrie, aber über ein paar kleine Nebenrollen kommt er nicht hinaus. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, besinnt er sich  auf seinen ursprünglichen Beruf. Im Vorkriegsdeutschland war Hardy Engel Polizist, und er versucht, sich in Hollywood als Privatdetektiv zu etablieren. Auch das erweist sich als nicht einfach. Zwar hat er durch seine Ausflüge in die Filmwelt oder besser gesagt: in die Halbwelt der Traumfabrik gute Komntakte dorthin, aber mit den offiziellen Polizeibehörden  steht er aufgrund verschiedener unliebsamer Zwischenfälle auf Kriegsfuß. Dadurch wird seine Arbeit als Detektiv nicht leichter, aber Aufträge sind sowieso rar. Folglich ist Hardy Engel froh, als endlich mal wieder das Telefon klingelt und ein einfacher, aber gut bezahlter Auftrag winkt.

William Desmond Taylor, ein aufstrebender Hollywood-Regisseur, bittet ihn, eine Schauspielerin eine Nacht lang zu überwachen. Besagte Dame soll in dieser Nacht brav zu Hause bleiben und nicht durch irgendwelchen Kneipen und Betten ziehen, damit sie am nächsten Morgen blütenfrisch vor der Kamera stehen kann. Die Dame macht es Hardy Engel leicht, sie verlässt ihr Haus nicht und geht augenscheinlich früh und allein schlafen. Als Hardy Engel nach der ereignisarmen Nachtwache vor dem Haus der Schauspielerin seinen Auftraggeber aufsucht, um Vollzug zu melden und sein leicht verdientes Honorar abzuholen, findet er den Regisseur ermordet vor. Bevor Engel Gelegenheit hat, den Toten und den Tatort näher in Augenschein zu nehmen, trifft die Polizei ein und verhaftet ihn unter Mordverdacht ...

Wie auch Hardy Engels erster Fall "Der Mann, der nicht mitspielt" (in dem der Löwe von Metro-Goldwyn-Meyer eine ungute Rolle spielt) beruhen Christof Weigolds Krimis auf tatsächlich in Hollywood passierten Kriminalfällen. Der angenehm nostalgische Stil der Krimis erinnert an Autoren wie Dashiell Hammett, Rex Stout, James Ellroy und ihre coolen Detektive. Die Reihe um den toughen Detektiv Hardy Engel wird fortgesetzt. 


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31392-1
Preis: 15,00 €
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Schatten der Toten

Elisabeth Herrmann, Rezension von Bernhard Söthe

  

Der dritte Band der erfolgreichen "Judith Kepler"-Reihe beginnt mit einem umfangreichen "Was bisher geschah". So ist dieser spannende Krimi auch für Seiteneinsteiger verständlich. Aber als Leser würde man sich berauben, wenn man auf die beiden ersten Bände der Reihe verzichten würde.

Ruhigere Phasen im Leben der Putzfrau und Tatortreinigerin Judith Kepler scheint es nicht zu geben. Kaum haben sich die Turbulenzen des letzten Falles, in den sie verwickelt war, beruhigt, tauchen neue Probleme auf . Judiths Chef, der knorrige Selfmade Man Dombrowski, liegt mit lebensbedrohenden Herzproblemen auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Ausgang ungewiss. Bevor er ins Koma fällt, beauftragt er Judith, sich um die Leitung seines stetig gewachsenen Reinigungsunternehmens zu kümmern. Nur widerwillig übernimmt Judith die unwillkommene Aufgabe. Auch im Interesse ihrer Kollegen, sonst droht Arbeitslosigkeit, will sie die Firma vorerst weiterführen.

Genug Probleme, doch zusätzlich tauchen Gestalten aus Judiths komplizierter Vergangenheit auf. Ihr Vater, ein Doppelagent von Stasi und BND, der eine traumatisierende Rolle in Judiths Leben spielt, ein inzwischen als international tätiger, von Polizei und diversen Geheimdiensten gesuchter Waffenhändler, ist in Odessa aufgetaucht, wo er alte Kontakte zu den Nachfolgeorganisationen des KGB für seine Geschäfte nutzen will. Judith hat noch mehr als eine Rechnung mit ihm offen. Um mit ihrer unglücklichen Vergangenheit abschließen zu können, wären mit ihm viele Fragen zu klären, denen er bisher geflissentlich aus dem Weg gegangen war. Entweder geht Judith nach Odessa, um sich ihrem Vater und ihrer Vergangenheit zu stellen oder sie kümmert sich in Berlin um die Firma ihres todkranken Chefs. Beides zusammen geht nicht.

Viele komplizierte Verwicklungen aus Vergangenheit undGegenwart. Man sollte seine Sinne schon beisammen haben, um allen Verästelungen der Handlung folgen zu können, und das macht die Lektüre nicht gerade einfach. Aber wegen der ungewöhnlich guten, stimmigen Personenbeschreibungen bleibt man als Leser gerne am Ball, man will einfach wissen, wie es mit Judith Kepler und der sehr überschaubaren Anzahl der Menschen, die ihr wichtig sind, weiter geht.


Verlag: Limes
ISBN: 9783809027058
Preis: 15,00 €
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Die Lüge

Matthias Edvardsson, Rezension von Jutta Pollmann

Adam, Ulrika, Stella, eine ganz normale Familie in Lund. Adam ist Pfarrer, Ulrika Rechtsanwältin. Kennen gelernt haben sie sich während des Studiums. Als Stella dann zur Welt kommt, kümmert sich Adam hauptsächlich um seine Tochter, damit Ulrika weiter als Anwältin arbeiten kann. Stella wird ein „Papakind“, sehr zum Stolz von Adam. Doch je älter Stella wird, umso mehr muss Adam feststellen, dass sie ihm nicht nur entgleitet, sondern auch immer weniger seiner Vorstellung von einer idealen Tochter entspricht.

Stella wird aufmüpfig, Stella wird jähzornig, Stella hält sich nicht an Regeln, Stella begehrt auf. Nicht nur einmal werden die Eltern in die Schule zitiert. Und auch beim Handball – Stella spielt wahnsinnig gut – rastet sie regelmäßig aus.

Dann der Bruch. Nach einem Zwischenfall auf ihrer Konfirmanden-Freizeit entfernt sich Stella immer mehr von ihrem Vater. Ulrika arbeitet daher wieder mehr von zuhause aus und Mutter und Tochter finden erneut einen Draht zu einander.

Jetzt mit 19 Jahren jobbt Stella bei H&M um ihren Traum von einer Asienreise zu realisieren. Als ihr die Eltern zu ihrem Geburtstag einen Roller offerieren, ist sie wenig begeistert. Wieder haben sie ihr nicht zugehört, sie will Geld für ihre Reise, keinen Roller. Das gemeinsame Geburtstagsessen wird ein kurzes. Stella verschwindet danach schnell, sie hat sich noch mit Amina, ihrer besten Freundin verabredet, die beiden wollen noch ein bisschen feiern gehen.

Am nächsten Morgen dann der Anruf: Stella ist verhaftet worden und wegen Mordes angeklagt. Sie soll einen 32jährigen Mann ermordet haben. Doch Adam bestätigt, dass er Stella um kurz vor 12 Uhr gehört und gesehen hat, damit stünde sie eigentlich nicht mehr unter Verdacht, denn der Mord passierte später. Aber die Indizien sprechen gegen sie. Aber kann ein Pfarrer lügen?

 

 

„Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich.“ ( Leo Tolstoi, Anna Karenina)

 

Ein unheimlich spannender Krimi, der aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird und den man vor der letzten Seite nicht zur Seite legt!!!


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328104124
Preis: 15,00 €
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Westwall

Benedikt Gollhardt, Rezension von Annette Riedel

Die Polizeischülerin Julia lernt zufällig den attraktiven Nick kennen. Die beiden kommen sich schnell näher und nach einer gemeinsamen Nacht entdeckt Julia ein riesiges Hakenkreuztattoo auf seinem Rücken. Sie ist total schockiert und vertraut sich nach langem Zögern ihrem Ausbilder an.

Auch mit ihrem Vater, einem ehemaligen Punker und Aussteiger, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt und auf ihre Hilfe angewiesen ist, spricht sie über den jungen Mann, der längst ihr Herz erobert hat. Der Vater versucht, seine Panik bei ihrer Schilderung der Details zu verbergen.

Plötzlich gerät Julias komplettes Leben aus den Fugen. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt. Ihre Suche nach der Wahrheit führt sie in die Wälder der Eifel, nah des Westwalls, der Verteidigungsanlage aus dem Zweiten Weltkrieg und in ihre eigene Vergangenheit.

 

Ein Thriller, der atemlos macht – erschreckend aktuell, hoch brisant, atmosphärisch – ein gelungenes Debüt!


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN: 978-3-426-30715-1
Preis: 14,99 €
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Zara & Zoe - Rache in Marseille

Alexander Oetker, Rezension von Bernhard Söthe

Der Autor, der als Journalist in Frankreich lebt, hat bereits zwei Krimis veröffentlicht, die im Südwesten Frankreichs spielen.

     

In seinem neuesten Buch wechselt der Autor nicht nur den Handlungsort von Bordeaux nach Marseille und das Personal, auch der "Härtegrad" dieses Krimis hat sich gewandelt. Vielleicht weil das Leben in den Banlieues von Marseille härter ist als an den Stränden der Atlantikküste? 

Die in Marseille geborene Protagonistinnen Zara und Zoe sind Zwillingsschwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwar sind beide tough, blond, schön, aber Zara arbeitet für Europol in Brüssel, ihre Schwester arbeitet als Auftragskillerin für einen korsischen Gangsterboss. Traditionell beherrschen korsische Gangsterclans die Unterwelt von Marseille. Das überaus lukrative Drogengeschäft wird ihnen aber zunehmend von arabischen Clans streitig gemacht. Aber nicht nur in der kriminellen Szene herrscht Unruhe, auch politisch gärt es. Nach dem islamistischen Terroranschlag in Nizza haben ausländerfeindliche, rechtsradikale Bewegungen starken Zulauf. Rechtsradikale und islamistische Gewalt schaukelt sich gegenseitig hoch. In die überwiegend von arabischstämmigen Migranten bewohnten Banlieues trauen sich Polizeibeamte nur schwer bewaffnet und in Mannschaftsstärke. Jederzeit können aus diesem Milieu heraus neue Terroranschläge verübt werden. Da die Terroristen oft länderübergreifend vernetzt sind, ist es Aufgabe von Europol, terroristische Taten zu verhindern. Zara, die ja Ortskenntnis hat und ihr schwedischer Kollege werden nach Marseille entsandt. Die Zusammenarbeit mit der korrupten Ortspolizei erweist sich als unmöglich. Zara muss feststellen, dass sie hier mit lehrbuchmäßigen, rechtsstaatlichen Methoden nicht weiterkommt. Sie sucht die Hilfe ihrer skrupellosen Schwester Zoe, was allerdings ein Problem ist. Die Zwillingsschwestern sind aufs Heftigste verfeindet. Das Scheitern der Ehe ihrer Eltern und massive Geschwisterrivalität sind die Ursache. Dieser Teil des Krimis wirkt etwas konstruiert, nicht jeder heftige Familienstreit endet damit, dass die verfeindeten Geschwister entweder Polizisten oder Auftragskiller werden. Sei's drum. Dieser Krimi ist temporeich aus verschiedenen Perspektiven erzählt, und die Themen Terrorismus und kriminelle Clans sind ja von beklemmender Aktualität.


Verlag: Argument-Verlag
ISBN: 9783867542364
Preis: 24,00 €
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Kritische Masse

Sarah Paretzky, Rezension von Karin Bucconi

Sarah Paretzky hat mich durch die 80iger, meine ersten Krimijahre, begleitet, und nun habe ich sie wiederentdeckt. Ihre Privatdetektivin Vic Warshawski ist zurück. Endlich!!!

Die Handlung "spielt" in Chicago und im Wien der Nazizeit.  Einer Freundin zuliebe läßt sich Vic Warshawski auf eine Vermisstensuche ein. Die Privatdetektivin sucht die drogensüchtige Patientin einer befreundeten Ärztin und ihren ebenfalls verschwundenen Sohn, ein Computergenie, das von seinem Arbeitgeber beschuldigt wird, geheime Daten geklaut zu haben. 

Ihre Suche beginnt auf dem Land in Illinois. Dort findet sie in einem Maisfeld einen Toten, einen schwer verletzten Hund und stößt auf eine zerstörte Methküche. Von Judy Binder, die sie anzutreffen hofft, keine Spur.

Ihre Ermittlungen führen sie zurück in die 30iger und 40iger Jahre, in denen ihre Auftraggeberin in Wien lebte.  Inspiriert von der wahren Geschichte der jüdischen Physikerin Marietta Blau, deren spektakuläre Entdeckungen wegen des Zweiten Weltkriegs nicht genug gewürdigt wurden. Sie war auch in der Kernphysik tätig, die nicht nur in der Speichertechnologie, sondern auch militärisch von großer Bedeutung war. Paretzky schickt Vic Warshawski diesmal auf die Spur des verschollenen Urenkels .

Und plötzlich sind sie alle hinter ihr her. Nicht nur Dealer und Drogenbosse, sondern auch Mitarbeiter einer hochangesehenen Computerfirma und sogar der Heimatschutz.

Ein glänzendes Comeback. Eine Sarah Paretzky in Bestform. Ihr kluger Blick auf die politische Vergangenheit Amerikas, auch hinsichtlich der Flüchtlingspolitik (und die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation) macht deutlich, wie Vergangenheit und Gegenwart sich beeinflussen.

Lesen!Lesen!Lesen!


Verlag: dtv
ISBN: 9783423262293
Preis: 15,90 €
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Liebes Kind

Romy Holzmann, Rezension von Karin Bucconi

"Dieser Thriller beginnt, wo andere aufhören". Ein völlig zutreffender Gedanke. Dieser Erstling von Romy Hausmann hat mich fassungslos gemacht und ratlos zurückgelassen. Was kann ein Mensch anderen Menschen zufügen, und- was können Opfer psychischer Gewalt aushalten, ohne ganz verrückt zu werden.

Zunächst ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit:

Lena Beck, Studentin, 23 Jahre alt, ist vor 14 Jahren spurlos verschwunden, und die Polizei findet sie weder lebendig noch ihre Leiche. Sie ist von einem  Soziopathen entführt und in einer Waldhütte ohne Fenster gefangen gehalten worden, wo sie zwei Kinder zur Welt bringt. Jeder ihrer Schritte in der Hütte wird kontrolliert. Sogar die Zeiten, wann sie auf die Toilette gehen darf, sind festgelegt. Sie werden psychisch und physisch gequält, obwohl der Vater, der tagsüber unterwegs ist, behauptet,daß er seine Familie nur beschützen will.

Die Gegenwart: 

Eine Frau wird von einem Auto schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Bei ihr ist ihre Tochter Hannah, der nichts passiert ist. Sie ist geflohen, aus einer Hütte im Wald, in der sie eine lange Zeit gelebt hat. Hannah, die kleine Tochter geht nicht zur Schule, hat keine Freunde. Unterrichtetwird sie, gemeinsam mit ihrem Bruder Jonathan,von ihrer Mutter.  Sie leben alle nach strengen Regeln.  Immer wieder mißhandelt der Vater seine "Frau", kettet sie nachts ans Bett,damit sie nicht fliehen kann. . Sie kennt beide nicht. Aber Jonathan ist ganz alleine und wird das nicht überleben, wenn er keine Hilfe bekommt... 

Als angenommen wird, dass es sich bei dem Unfallopfer um die vermisste Lena Beck handelt, werden deren Eltern verständigt. Nur kann der Vater die Frau nicht als seine Tochter identifizieren und ist am Boden zerstört, bis er im Flur des Krankenhauses Hannah sieht, die ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Hat er sich geirrt? Aber- warum sollte die KLeine Mama zu der Fremden sagen? Lügt sie?

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt sagen, denn schon der Klappentext verrät sehr viel.

Ein nervenaufreibender Psychothriller, der aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Alle Beteiligten kommen zu Wort, nur der Täter nicht, der sich in den Gedanken und Erzählungen der Menschen spiegelt.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.