Krimi


Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 9783746636764
Preis: 11,00 €
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Totenwelt

Michael Jensen, Rezension von Bernhard Söthe

 

Auch der zweite Krimi mit dem einarmigen Inspektor Jens Druwe spielt im Mai 1945 in und um Flensburg. Kaum hat Druwe seinen ersten Fall gelöst, muss er wieder in Mordfällen ermitteln, und erneut befindet er sich buchstäblich zwischen den Fronten.

Großadmiral Dönitz, noch vom "Führer" persönlich zu seinem Nachfolger bestimmt, hat auf einem noch nicht von den Engländern besetzten Marinestützpunkt Mürwik die Reste der aus Berlin vor den Sowjets geflohenen Reichsregierung versammelt. Es handelt sich um Nazis der zweiten, dritten, vierten Reihe, die völlig vernagelt immer noch glauben, trotz der totalen Kriegsniederlage mit den englischen Besetzern auf Augenhöhe verhandeln zu können. Diese Illusion wird ihnen zwar schnell genommen, aber im Mai spielen die Herren immer noch "Deutsches Reich" und wollen - um ihre schönen Posten zu retten - schnell wieder Verwaltungsstrukturen aufbauen. 

Inspektor Druwe, der nie Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Organisationen war, wird gefragt, ob er bereit sei, eine neue, unbelastete Polizeibehörde mit aufzubauen. Eine Chance für ihn, wieder in den höheren Polizeidienst aufzusteigen, aber er weiß, dass er unbelastete Kollegen mit der Lupe suchen müsste. Zudem ist ihm das nassforsche Auftreten der Altnazis, die quasi über Nacht alle nur Mitläufer und Befehlsempfänger gewesen sein wollen, zutiefst zuwider. Druwe versucht, seine Entscheidung hinauszuzögern. An seiner Dienststelle, einem Städtchen unweit von Flensburg, haben inzwischen die Engländer das Sagen. Druwe soll seinen Dienst als Kriminalbeamter weiter ausüben, aber ein englischer Offizier, der ihn kontrollieren soll, ist sein Vorgesetzter. Die Zusammenarbeit ist alles andere als einfach. Die englischen Truppen hatten kurz zuvor die Konzentrationslager bei Hamburg befreit, und was sie dort gesehen haben, nimmt ihnen jede Motivation, den Deutschen gegenüber freundlich zu sein. Während Druwe noch versucht, mit seinem neuen Vorgesetzten eine Arbeitsebene zu finden, wird er von einem alten Bekannten aus Berlin angesprochen. Dieser hat dort für die Geheimdienstorganisation von Admiral Canaris gearbeitet, nach dessen Verurteilung und Hinrichtung als Vaterlandsverräter brisante Unterlagen der Behörde beiseite geschafft und ist im Anschluss untergetaucht. Die Unterlagen enthalten Material über ranghohe Nazis. Mit diesen Informationen möchte sich der ehemalige Mitarbeiter von Admiral Canaris den Weg in die Zukunft freikaufen. Er bittet Druwe, ihm Kontakt zum britischen Geheimdienst zu verschaffen. Deren Mitarbeitern will er die Unterlagen gegen Zusicherung von Straffreiheit aushändigen. Bei dem Treffen zur Übergabe der Akten läuft etwas gewaltig schief. Ein englischer Offizier und der deutsche Aktenlieferant werden erschossen, und die Akten sind spurlos verschwunden. Druwe, misstrauisch beäugt von seinem englischen Vorgesetzten, beginnt zu ermitteln.

Totenwelt ist nicht nur ein hochdramatischer Krimi, sondern auch eine veritable Geschichtsstunde über das klägliche Ende der Naziherrschaft. Da auch Inspektor Druwes Privatleben eine wichtige Rolle spielt, empfiehlt es sich, mit dem ersten Band der Reihe "Totenland" zu beginnen.

 


Verlag: HarperCollins Hamburg
ISBN: 978-3-95967-423-2
Preis: 14,00 €
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Das Dorf der toten Seelen

Camilla Sten, Rezension von Jutta Pollmann

Alice Lindstedt ist eine junge Filmemacherin. Eigentlich nur auf dem Papier, denn bisher hatte sie noch nicht wirklich Eigenes zustande gebracht. Während ihre Kollegen von der Filmhochschule alle schon Erfolg hatten, musste sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Doch das sollte nun anders werden.

Die Idee zu dieser Dokumentation hatte sie schon früh: die Geschichte ihrer Großmutter, die Geschichte von Silvertjärn, die Geschichte des Dorfes der toten Seelen. Ihre Großmutter hatte ihr viel von ihrem Heimatdorf erzählt, wie sie mit 18 nach Stockholm ging, um dort eine Ausbildung zu machen; dass sie danach hauptsächlich brieflich mit ihrer jüngeren Schwester kommuniziert hatte. Wie das Dorf sich nach der Grubenschließung veränderte, wie die Menschen hoffnungslos in die Zukunft blickten; wie vieles anders wurde, als der neue Pfarrer ins Dorf kam, jung und voller Elan, wie die jungen Mädchen, auch ihre Schwester, ihn anhimmelten; wie er nach und nach die Gemeinde mehr und mehr beeinflusste; wie selbst ihre Schwester nicht mehr dieselbe war und wie dann plötzlich alle verschwanden in diesem Sommer 1959 und die Polizei in diesem entvölkerten Dorf nur eine Tote und ein schreiendes Baby fand.

All das sollte Thema ihres Filmes werden. Zur Unterstützung dieses zunächst auf eine Woche begrenzten Projektes – mehr Geld hatte Alice nicht auftreiben können – waren weitere 4 Personen mit ihr nach Silvertjärn gefahren: Tone, deren Geheimnis nur Alice kennt; Emmy, deren beste Freundin sie einmal war, bis zu diesem einen fürchterlichen Abend; die sie aber dennoch braucht für diesen Film, weil sie eine hervorragende Cutterin und Redakteurin ist; Max, der diese Doku mitfinanzierte, der aber auch noch einen anderen Grund hatte, die Gruppe zu begleiten und Robert, der hauptsächlich wegen Emmy mit dabei ist.

Doch von Anfang an steht das Projekt unter keinem guten Stern: es gibt Spannungen zwischen den Teilnehmern, dann wollen Emmy und auch Tone unabhängig voneinander jemanden gesehen haben. Kurz darauf bricht Tone durch eine morsche Treppenstufe und verletzt sich schwer und schließlich gibt es einen Toten. Es gibt keinen Handyempfang und das nächste Dorf ist kilometerweit entfernt. Das, was als ein Filmprojekt gestartet war, wird mehr und mehr zur Flucht vor einem Mörder.

 

 

Hut ab Frau Sten! Ein Thriller, den man in einem Rutsch durchliest. Camilla Sten, Tochter von Viveca Sten, deren Krimis eher im Cozy Crime Bereich anzusiedeln sind, hat hier ein tolles Debüt hingelegt. Wobei das nicht ganz stimmt, denn in Schweden hat sie mit ihrer Mutter zusammen schon einige Krimis geschrieben.

Auf jeden Fall lesenswert und zwischendurch schön schaurig!


Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442315055
Preis: 15,90 €
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Schweige still

Michael Robotham, Rezension von Karin Bucconi

Cyrus Haven, ein Psychologe, der die Polizei bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen berät, wird an den Schauplatz eines schrecklichen Gewaltverbrechens beordert. Jodie Sheehan, eine talentierte 16jährige Eiskunstläuferin, die eine große Karriere vor sich hatte, wird ermordet aufgefunden. Sie ist anscheinend einem Sexualdelikt zum Opfer gefallen. Alle sahen in ihr nur einen kleinen, süßen Unschuldsengel, aber nach ihrem Tod stellt sich heraus, daß sie das nicht war. 

Jodie hatte gleichzeitig viele "Bekanntschaften" und verfügte über sehr viel Bargeld unbekannter Herkunft.

Bei den ersten Ermittlungen stellt sich heraus, dass anscheinend niemand die Wahrheit sagt... Und- es wird immer komplizierter. 

Erzählt wird die "Geschichte" von Cyrus, der traumatisiert ist, seit sein Bruder ein Massaker an der eigenen Familie verübte. Cyrus überlebte als einziger.

Evie Cormac wurde  ihm gerade erst anvertraut. Er soll sie psychologisch betreuen. Evie wurde als kleines Kind in einem Wandschrank gefunden, entführt und jahrelang gefangen gehalten. Sie ist nicht weniger traumatisiert als Cyrus. Der macht etwas, was mehr als nur unzulässig ist:

Er bindet Evie , die sich dagegen sträubt, in die Ermittlungen ein,  und beide erzählen, was sie Schreckliches herausgefunden haben...

Eine spannende Geschichte als Grundstein für  geplante Fortsetzungen.

Damit enden anscheinend die Fälle, die der Psychotherapeut Joe O`Loughlin zu lösen half,  und eine neue Reihe beginnt.

Der Anfang ist vielversprechend.

 

 


Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26242-2
Preis: 15,90 €
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Das Gerücht

Lesley Kara, Rezension von Jutta Pollmann

Joanna Critchley, alleinerziehende Mutter, lebt erst seit ein paar Monaten wieder in ihrem Heimatort Flinstead. Anders als in London, kann sie hier immer auf ihre Mutter zurückgreifen, wenn sie Probleme mit der Unterbringung ihres Sohnes Alfie hat, und das kann schon mal passieren, wenn sie als Immobilienmaklerin Termine einhalten muss. So richtig eingelebt haben sich beide allerdings noch nicht und so versucht Joanna mehr Kontakt zu anderen Müttern zu bekommen, so dass Alfie vielleicht doch den einen oder anderen Spielkamerad findet.

Eines Morgens vor der Schule erzählt Cathy, Mutter eines Mitschülers von Alfie, dass sie gehört habe, dass die Kindsmörderin Sally McGowan unter anderem Namen hier in Flinstead wohnen solle; eine Freundin einer Freundin hätte das von ihrem Ex, der schließlich mal bei der Polizei war. Joanna gibt zunächst nichts auf diese Äußerungen, googelt aber später den Fall: 1969 erstach die zehnjährige Sally McGowan den fünfjährigen Robbie Harris. Sie sagte damals aus, es sei ein Spiel gewesen, das schief gelaufen sei, aber niemand glaubte ihr. Niemand glaubte dem kleine Mädchen, das zuhause verprügelt und sexuell missbraucht wurde. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt, 1981 mit neuer Identität entlassen. Später tauchte sie nochmal auf, danach noch ein Umzug und seitdem ist nichts mehr über sie zu finden.

Noch am gleichen Abend ist es Joanna, die in ihrem Buchclub das Gerücht über Sally McGowan`s Anwesenheit in Flinstead weiterverbreitet, sofort werden Mutmaßungen ausgesprochen, wer sie wohl sein könnte. Jemand weiß zu berichten, dass solche Menschen mit neuer Identität gerade in so kleinen, abgelegenen Orten versuchen ein neues Leben zu beginnen.

Und dann fliegt der erste Stein! Der Ladenbesitzerin Sonia Martins wird unterstellt, die Kindermörderin zu sein. Die Polizei dementiert sofort, doch Sonia fühlt sich nicht mehr sicher in der Kleinstadt. Mehr und mehr Frauen geraten in den Fokus, werden beschuldigt, Sally McGowan zu sein, und Joanna bekommt mehr und mehr Gewissensbisse, welchen Stein sie da ins Rollen gebracht hat.

Und dann will Michael, der Vater ihres Sohnes und Journalist auch noch ein Buch über diesen Fall schreiben und Joanna gerät immer mehr in den Mittelpunkt dieser Geschichte...

 

Der Krimi ist aus der Ich-Perspektive von Joanna geschrieben. Man bekommt ihre Sicht der Geschichte in allen Facetten mit, ihre Verdächtigungen, ihre Zweifel, ihre Ängste, ihre Überlegungen. Man begibt sich mit ihr auf falsche Fährten, die oftmals sehr plausibel aussehen; revidiert das Ganze wieder und folgt einer neuen Spur. Manchmal wirkt Joanna etwas einfältig, ihre Hysterie ist teilweise etwas lächerlich, aber der Gerüchtesog wird immer stärker, so dass sie irgendwann überall Gespenster sieht.

Ein spannender Krimi der (fast) ohne Leichen auskommt.

 

 

 


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17940-4
Preis: 12,90 €
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Mord in Barcelona

Isabella Esteban, Rezension von Bernhard Söthe

Auf Barcelonas malerischem Friedhof am Montjuic wird eine Tote gefunden, die dort nicht hingehört. Eine deutsche Touristin, die Leiche wird stümperhaft in einer alten Grabstelle versteckt. Da die Todesumstände ungeklärt sind, wird die Kriminalpolizei aktiv. Commissari Jaume Soler übernimmt die Ermittlungen. Da die Tote, eine Frau in den 50ern, keinerlei Ausweispapiere bei sich trug, muss zunächste ihre Identität festgestellt werden. In einem Touristenhotel am Strand von Barcelona wird seit einigen Tagen ein weiblicher Gast vermisst, eine Frau aus Frankfurt. Als feststeht, dass sie die Tote ist, wird ihre Familie in Deutschland benachrichtigt. Ihr Sohn, mit dem sie zusammen ein Fotostudio betreibt, kommt nach Barcelona, um sich um die Formalitäten zu kümmern. Inzwischen ist auch klar, dass die Deutsche eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Ein Raubmord? Die wertvolle Kamera, von der sich die Fotografin nie trennte, ist jedenfalls spurlos verschwunden. Das Fotostudio von Mutter und Sohn läuft schlecht und steht kurz vor der Pleite. Es gab wohl auch Spannungen zwischen Mutter und Sohn. Als dieser sich bei einer ersten Befragung durch die Polizei in Widersprüche verstrickt, ist Commissari Solers Misstrauen geweckt. Soler hat eine Schwester, Montse, die trotz akademischer Ausbildung wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Spanien keine adäquate Arbeit gefunden hat und froh ist, bei der Stadtreinigung eine schlecht bezahlte Stelle gefunden zu haben. Aus finanziellen Gründen lebt sie immer noch bei ihrer Mutter. Montses und Jaumes Mutter betreibt eine schlichte kleine Café-Bar in Barcelonas Altstadt. Und genau hier ist die deutsche Fotografin am Tag ihres Todes auf ein Getränk eingekehrt und hat sich nach Meinung von Montses Mutter touristenmäßig schlecht benommen. Montses Neugier ist geweckt , und sie löchert ihren Bruder mit Fragen zu dem mysteriösen Fall. Jaume gibt ihr unmissverständlich zu verstehen, sie solle sich um ihren eigenen Kram kümmern. Als Montse "zufällig" den Sohn der Toten kennen lernt und ihn durchaus attraktiv findet, beschließt sie, auf eigene Faust zu recherchieren, wie es zu dem gewaltsamen Tod der Deutschen kam, was zum Leidwesen ihres Bruders zu etlichen unliebsamen Verstrickungen führt.

Commissari Soler ist ein angenehm normaler Zeitgenosse. Glücklich verheiratet, allerdings mit einer Madrilenin, was seine Mutter missbilligt, zwei Kinder, zwei Hunde, weder alkohol- noch drogenabhängig. Kleine Probleme mit Kollegen, besonders mit dem publicitygeilen Vorgesetzten, sind  bewältigbar. Seine Arbeit macht er gerne und gut. Ein lesenswerter Krimi nicht nur für Barcelona-Fans. Weitere sollen folgen. 


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30076-5
Preis: 16,00 €
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Mitten im August - Der Capri-Krimi

Luca Ventura, Rezension von Bernhard Söthe

Die idyllische Urlaubsinsel Capri hat nur eine schwach besetzte Polizeistation, in der sich eine Handvoll Polizisten den Dienst teilen. Zu ihnen gehört auch Enrico Rizzi, sein ruhiger Job erlaubt es ihm oft, in den Obst- und Gemüsegärten seines alten Vaters auszuhelfen. Mit der Ruhe ist es vorbei, als am Kiesstrand von Capri in einem Ruderboot ein Toter gefunden wird. Ein Student der Ozeanologie, der in einem Meeresforschungsinstitut auf Capri ein Praktikum absolvierte, er engagierte sich auch in Umweltschutz-Organisationen. Der junge Mann ist erschlagen worden. Seine reiche, sehr einflussreiche Familie macht Druck auf die Behörden, den Mörder schnellstmöglich zu fassen. Für Gewaltkriminalität sind nicht die Polizisten der kleinen Inselwache zuständig, sondern die Kriminalpolizei in Neapel. Die Kriminalbeamten aus der Großstadt machen den Inselpolizisten sehr schnell klar, wer bei den Ermittlungen das Sagen hat. Enrico Rizzi, gekränkt von der Überheblichkeit der Neapolitaner, geht auf eigene Faust Spuren in dem Mordfall nach, die von den Kollegen souverän ignoriert wurden. Unterstützt wird Rizzi von einer Kollegin, Agente Cirillo, die vom Festland kommt, wo sie im Norden Italiens als Kriminalbeamtin gearbeitet hat. Agente Cirillo wurde offensichtlich von ihren Vorgesetzten degradiert und nach Capri strafversetzt, über die Gründe schweigt sie sich aus ...

"Mitten im August" ist der erste Fall des sympathischen Agente Rizzi, weitere sollen folgen. 


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-05245-9
Preis: 16,00 €
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Der freie Hund

Wolfgang Schorlau, Claudio Caiolo, Rezension von Bernhard Söthe

Ja, das gibt es, Venedig-Krimis, die nicht von Donna Leon geschrieben sind! Und wer glaubt, sie habe in ihren 28 Brunetti-Krimis alles über das kriminelle Venedig erzählt, was es zu wissen gibt, wird von dem Autorenduo Schorlau/Caiolo eines Besseren belehrt. 

Commissario Morello ist mit Leib und Seele Sizilianer. Auf seiner Heimatinsel hat er korrupte Politiker hinter Gittern gebracht. Seitdem steht er auf der Todesliste der Mafia. Sein Vorgesetzter, der Morello aus der Schusslinie nehmen möchte, sorgt dafür, dass er bei der Polizei in Venedig eine neue Stelle bekommt. Morello kann mit der morbiden Schönheit Venedigs nichts anfangen, das oft feuchte Klima behagt ihm nicht. Seine Kollegen und Untergebenen sind über den Commissario aus dem Süden alles anderes als begeistert. Für echte Venezianer ist Italien südlich ihrer Stadtgrenzen fast schon Afrika. Commissario Morello fremdelt also und will schnellstmöglich wieder in seine Heimat, wo Mutter und Schwester leben, Familie ist ihm heilig. Aber auf Sizilien musste Morello ständig auf der Hut  vor Mafiakillern sein, er lebte dort in einer Kaserne der Carabinieri. Spontane Freizeitaktivitäten außerhalb der beschützenden Mauern waren unmöglich, während er sich in Venedig frei bewegen kann. Der "Ehrenkodex" der sizilianischen Mafia verbietet Morde außerhalb ihres Herrschaftsgebietes auf der Insel. Noch nicht richtig in Venedig angekommen, bekommt Mortello schon seinen ersten Fall auf den Schreibtisch. Francesco Grittieri, der einzige Sohn einer der ältesten Familien Venedigs, wird ermordet aufgefunden. Sein Vater residiert standesgemäß in einem prächtigen Palazzo, er führt einen edlen Antiquitätenladen. Vater und Sohn waren heftig zerstritten. Der junge Franceso war Gründungsmitglied einer militanten Bürgerinitiative gegen den Kreuzfahrttourismus, der in Venedig massive Umweltschäden verursacht. Sein Vater und andere führende Kaufleute der Stadt halten die nicht nur harmlosen Aktivitäten der Kreuzfahrtgegner für geschäftsschädigend. Commissario Morello und seine Untergebenen, mit denen er sich erst zusammenraufen muss, beginnen in der feinen Gesellschaft Venedigs zu ermitteln, was den Herrschaften gar nicht gefällt, da hinter den glänzenden Fassaden manches mächtig unsauber ist.

"Der freie Hund" ist ein Krimi, der nicht nur unterhält, sondern auch informiert, wie Italien funktioniert oder eben nicht. Der erste Fall für Commissario Morello macht Lust auf weitere, es müssen ja nicht unbedingt 28 werden.


Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26243-9
Preis: 16,90 €
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Oxen - Lupus

Jens Henrik Jensen , Rezension von Bernhard Söthe

Der überraschende vierte Band der Trilogie um den charismatischen, hochdekorierten dänischen Soldaten Niels Oxen. Die ersten drei Bände beschrieben Oxens Kampf gehen den mysteriösen Geheimbund "Danehof", der versuchte, illegal Einfluss auf politische Entscheidungen in Dänemark auszuüben. Die Führungsriege des "Danehof" schreckte zur Durchsetzung ihrer zwielichtigen Ziele auch vor Mord nicht zurück.

Am Ende von Band 3 ist die Organisation des "Danehof" endgültig zerschlagen. Niels Oxen, der seit seinen Einsätzen bei UNO-Friedensmissionen in Afghanistan und Ex-Jugoslawien unter posttraumatischen Störungen leidet, lehnt das Angebot für den dänischen Geheimdienst zu arbeiten ab und zieht sich in sein einsames Leben zurück. Widerwillig unterzieht er sich einer psychologischen Behandlung, die ihm aber bei der Bewältigung seiner Probleme nicht hilft. Den neuen Band "Lupus" kann man unabhängig von den ersten drei der Reihe lesen. Es wird an einigen Stellen auf die Zerschlagung des "Danehof" eingegangen, für die Handlung des neuen Buches spielt dies aber keine Rolle. 

Nielsen lebt zurückgezogen, um nicht zu sagen: vereinsamt. Kontakt hat er nur zu einer Psychologin. Mit ihrer Hilfe versucht er, sein verkorkstes Verhältnis zu seinem 14jährigen Sohn Magnus zu reparieren, alles andere ist Oxen unwichtig. So lehnt er zunächst auch eine Bitte des ehemaligen Chefs des dänischen Geheimdienstes Mossmann ab, nach einem vermissten ehemaligen Staatssekretär zu suchen, der im Ruhestand auf einem Bauernhof in Jütland lebt und von dort spurlos verschwunden ist. Erst als Oxen erfährt, dass in den Wäldern in der Nähe des Hauses des Vermissten Wölfe gesichtet worden sind - Wölfe findet Oxen faszinierend -,  erklärt er sich bereit, Mossmanns Bitter nachzukommen. Mossmann ist eine vielschichtige Gestalt. Oxen hat ihm aufgrund negativer Erfahrungen nie vorbehaltlos getraut, und auch jetzt muss er erfahren, dass Mossmanns vermeintlich harmlose Bitte jede Menge Falltüren öffnet. 


Verlag: C.Bertelsmann
ISBN: 97683570103777
Preis: 16,00 €
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Was sie nicht wußte

Nicci French, Rezension von Karin Bucconi

Was, habe ich mich gefragt,  würde jetzt kommen, nachdem ichden letzten Fall aus der  Frieda Klein Reihe aus der Hand gelegt habe? Nun endlich ist der neue Kriminalroman erschienen. Und er ist ganz anders (zum Glück), aber nicht minder gut.

Was tut man, wenn man seinen Geliebten ermordet in dessen Zweitwohnung auffindet? Doch sicherlich die Polizei verständigen, oder?

"Ich habe frei. Komm, sobald du kannst", diese SMS erreicht Neve. Kaum ist ihre Familie aus dem Haus fährt sie los, zu ihrem Chef, mit dem sie bereits die letzte Nacht verbracht hat. Mit ihm fühlt sie sich wieder jung und begehrenswert und vergißt die alltäglichen Sorgen um Kinder und Ehemann. Aber,  als sie in der Wohnung ihres Geliebten eintrifft, findet sie ihn tot in einer Blutlache am Boden liegend. Die Tatwaffe, ein Hammer, liegt neben ihm. 

Neve Conolly steht unter Schock. Sie will die Polizei anrufen, als ihr einfällt, dass dann ihre Affäre auffliegen würde. Also beseitigt sie alle Spuren, putzt wie eine Irre, bezieht die Betten neu und entsorgt den Abfall. Zuhause angekommen, bemerkt sie, dass ihr Armband fehlt und fährt umgehend zurück. Doch- nicht nur das Schmuckstück ist unauffindbar, auch der Hammer ist verschwunden. Also muss jemand auch um ihr Geheimnis wissen. Aber wer? Neve sucht in ihrer Umgebung fieberhaft nach dem Mörder und macht erstaunliche Entdeckungen.

Aner natürlich intewressiert sich auch die Polizei  für den Fall, und Neve verstrickt sich in einem Netz aus Halbwahrheiten und Lügen, das sie immer verdächtiger erscheinen lässt. Selbst ihre helle Tochter ahnt, dass ihre Mutter etwas verbirgt. Es dauert nicht lange,  und jeder verdächtigt jeden...

Ein richtig guter Krimi in dessen Mittelpunkt eine mit Beruf, Kindern und Ehemann tendenziell überforderte Ehefrau steht. 

 

 


Verlag: Galliani
ISBN: 9783869712086
Preis: 20,00 €
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Sommer bei Nacht

Jan Costin Wagner, Rezension von Karin Bucconi

Jan Costin Wagner, bekannt als der "Erfinder" des finnischen Kommisar Joentaa, hat einen neuen Krimi geschrieben. Die Geschichte um Joentaa scheint auserzählt, eine neue Reihe beginnt, und dieses Mal ist das Geschehen in Wiesbaden angesiedelt.

Ein flirrender Sommertag. Kinderlärm, rege Betriewbsamkeit.  Der Hof einer Schule, und viele Frauen, die einen Flohmarkt vorbereiten. Die Stimmung ist heiter.

Der Mann... Er hat in einem Spielzeuggeschäft Stofftiere gekauft. Eines legt er auf einem der Tische ab. Ein kleiner Junge, Jannis, kommt auf ihn zu. "Dein Teddy", fragt er? "Ja", sagt der Mann, reicht ihm den Teddy, nimmt -wie elektrisiert seine kleine Hand und läuft mit ihm weiter. Er erklärt dem Kind, warum sie laufen. 

Seinen Wagen hat er in einer Seitenstraße geparkt. Er versetzt Jannis einen Schlag gegen die Schläfe und legt den bewußtlosen Jungen auf die Hinterbank...Zuhause verfrachtet er ihn in seine Badewanne, stellt sich vor, daß er träumt und wünscht sich, mit ihm zu träumen...

Die Aufregung ist groß, als klar wird, dass der Junge entführt wurde. Seine Mutter hatte ihn nur für Moment aus den Augen gelassen..

Die Kommissare Ben Neven und Christian Sandner von der Wiesbadener Kripo kommen nur mühsam voran. Es gab schon einmal einen ähnlichen Fall, aber der liegt einige Zeit zurück und wurde nie aufgeklärt.

Wagner erzeugt mit seinem Erzählstil Hochspannung. Er lässt alle zu Wort kommen: die Ermittler, die Eltern, die Schwester, und alle ahnen, was Jannis droht. Das Wort KINDESMISSBRAUCH steht unausgesprochen im Raum.

Auch die Täter werden "beleuchtet". Gut und Böse ist nicht einfach zu unterscheiden. Auch die Ermittler haben Obsessionen, Ben Neven z.B. pädophile Neigungern...

In 14 kurzen Abschnitten zeigt Wagner viele  verschiedene Perspektiven auf und gewährt tiefe Einblicke in die Seelenlage aller Beteiligten. Hat Jannis eine Überlebenschance? 

Eine beklemmende Geschichte, schwere Kost,  meisterlich geschrieben. Ein literarischer Krimi! Aber: Lesen Sie selbst (unbedingt)!

 

 


Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0719-0
Preis: 20,00 €
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1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

Thomas Christos, Rezension von Jutta Pollmann

Thomas Engel möchte raus, raus aus dem Dorf am Niederrhein, wo sein Vater Polizist ist und seine Mutter brave Hausfrau, raus aus der Enge und dem Mief. Mit Unterstützung seines Onkels Kurt Strobel, Kriminalkommissar in Düsseldorf, erfüllt sich sein Wunsch zur Kripo zu gehen. Die Kollegen sind nicht so angetan vom „Neuen“, der mit Vitamin „B“ seinen Job bekommen hat.

Der erste Fall führt Thomas zu einer Leiche, die stranguliert wurde. Der Pathologe erkennt aber Selbstmord, mit einer Garotte könne man sich auch selbst umbringen. Thomas stellt das in Frage, löchert seinen Onkel und Vorgesetzten und bekommt zu hören, dass man als Kriminaler auch mal akzeptieren müsse, wenn man nicht gebraucht wird. Merkwürdig findet Thomas allerdings, dass der Mann just an dem Tag starb, als er von Kommissar Drezko von der Sonderkommission für Naziverbrechen vorgeladen war. Wollte jemand verhindern, dass der Mann Drezko Informationen lieferte? Für Thomas Engel bleiben viele Fragen offen.

Doch zunächst muss er nach Essen, die Essener Polizei hat aus den umliegenden Präsidien Verstärkung angefordert, um jugendliche Fans zu bändigen. In der Gruga gibt es das erste Konzert der Rolling Stones und die Polizei in Essen ist überfordert. Thomas Engel ist begeistert, so was hat er bisher nicht gehört. Die Musik fasziniert ihn. Auf dem Konzert lernt er auch Peggy kennen, eine junge Frau, die aus einem christlichen Fürsorgeheim abgehauen ist, wo der Heimleiter sich an den Mädchen vergreift und die Nonnen die Augen zumachen. Eigentlich müsste Thomas als Kriminalbeamter Peggy direkt zurück bringen, doch er verliebt sich in die junge Frau.

Bei einem ihrer nächtlichen Spaziergänge an der Ruine Kaiserswerth, stößt er auf die Leiche eines Mädchens. Man hat sich an ihr vergriffen, das Gesicht mit der Schürze bedeckt. In seiner Not ruft Thomas seinen Onkel an, schildert ihm die Lage, der beruhigt ihn, er wolle sich kümmern, aber er solle endlich das Mädchen zurück ins Fürsorgeheim bringen, sonst mache er sich strafbar.

Am nächsten Tag sieht er die Tatortfotos, doch an der Leiche sind Veränderungen vorgenommen worden. Thomas spricht seinen Onkel darauf an, der weist ihn aber zurecht, schließlich sei er angetrunken gewesen, könne sich also irren. Doch Thomas bleibt hartnäckig, ermittelt auf eigene Faust und stößt auf einen Parallelfall aus dem Jahre 1939. Damals war die Leiche des Mädchen genauso drapiert gewesen. Der Täter, den die Gestapo hingerichtet hatte, ein kurz zuvor kastrierter Homosexueller. Lief der wahre Täter 16 Jahre später also immer noch frei herum? Wusste sein Onkel etwa über diesen Fall? War deshalb die Leiche des Mädchens anders fotografiert worden?

Thomas Engel muss tief graben und vielen auf die Füße treten, bis er letztlich den Mörder aufspüren und jene ans Licht zerren kann, die seit Jahren Tat und Täter gedeckt haben.

Ein spannender Krimi mit gut recherchierter Geschichte, den man in einem Rutsch liest.


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10459-9
Preis: 13,00 €
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Tot bist du perfekt

J.P. Delanay, Rezension von Jutta Pollmann

Tim Scott, erfolgreicher Start-up Unternehmer im Bereich Künstlicher Intelligenz, ist fasziniert und gerührt zugleich. Abbey, seine Frau hat nach langer Zeit endlich die Augen geöffnet.

Doch eigentlich ist es gar nicht die Abbey, die seit fünf Jahren als vermisst gilt, die da gerade die Augen öffnet. Es ist ein Cobot, ein Companian Robot, eine künstliche Intelligenz, die Empathie empfinden kann, die er Tim Scott als Ersatz für seine Frau geschaffen hat, weil er mit dem Verlust nicht klar gekommen ist – wie er sagt. Doch dieser Cobot kann nicht nur empfinden, er kann sich auch weiterentwickeln, sein „Gehirn“ kann schöpferisch tätig werden, die Lücken in seinem Wissen mit Ableitungen und begründeten Vermutungen auffüllen.

Als die künstliche Abbey zurück nach Hause kommt, ist ihr vieles noch fremd, denn Tim, ihr „Ehemann“ ist vorsichtig vorgegangen, hat ihr „Gehirn“ zunächst mit wenigen Informationen bestückt, er will seine geliebte „Frau“ nicht überfordern.

Auch über das, was damals passiert ist, will er zunächst nicht mir ihr reden. Als „Abbey“ irgendwann allein zuhause ist, findet sie, hinter Büchern versteckt, ein Handy und ein Laptop. Warum hat die wirkliche Abbey diese Dinge vor ihrem Mann versteckt? Hatte sie Geheimnisse?

„Abbey“ beginnt zu recherchieren, was damals wirklich passiert ist und muss mehr und mehr feststellen, dass ihr „Ehemann“ doch nicht nur sehr verliebt in seine Frau war, sondern sie auch extrem kontrollierte. Ist die echte Abbey vielleicht gar nicht tot, sondern einfach nur verschwunden, untergetaucht? Aber hätte sie ihren Sohn zurück gelassen?

Als „Abbey“ sich mit „ihrer“ Schwester Lisa trifft, wird klar, dass diese immer noch glaubt, dass Tim seine Frau umgebracht hat. Auch die Polizei ist immer noch davon überzeugt, dass Tim Scott der Mörder ist. Und je mehr „Abbey“ recherchiert, je mehr sie sich der Wahrheit nähert, desto größer werden die Abgründe, die sich vor ihr auftun.

 

 

„Hätten Sie mich vor zwei Jahren gefragt, ob ich einen Roman lesen möchte, in dessen Zentrum keine menschliche Frau, sondern ein Algorithmus, eine programmierte Persönlichkeit, steht, hätte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit, dankend abgelehnt...Kann ein solcher Roman seine Leser gleichermaßen faszinieren und mitreißen? Und wie er das kann.“ Monika Kempff, Lektorin Penguin

 

Ich kann mich nur anschließen. JP Delaney ist ein packender Thriller gelungen, den man nur so verschlingt.Wann uns Roboter mit Persönlichkeit gegenüber stehen, weiß ich noch nicht, doch Google hat sich „Methoden und Systeme der Persönlichkeitsentwicklung von Robotern“ bereits 2015 patentieren lassen...

 


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-04794-3
Preis: 16,00 €
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Die Toten von Marnow

Holger Karsten Schmidt, Rezension von Bernhard Söthe

Jahrhundertsommer 2003:

Die Rostocker Kommissare Frank Elling und Lona Mendt ermitteln in einem Mordfall. In einem Plattenbau aus DDR-Zeiten wird die Leiche eines Mannes gefunden. Vor seinem gewaltsamen Tod wurde er gefoltert, die Wohnung systematisch durchsucht und verwüstet. Der von Hartz IV lebende Mann hatte kaum Sozialkontakte. Die einzige Besonderheit in seinem Leben waren regelmäßige Aufenthalte auf einem Campingplatz am See in Marnow. Dort gab es zu DDR-Zeiten eine Klinik. Hier wurden gegen dringend benötige Devisen neuentwickelte Medikamente namhafter westlicher Pharmaunternehmen an Patienten getestet. Menschenversuche, die im Westen streng verboten waren - und für die menschlichen Versuchskaninchen hatte das manchmal tödliche Folgen. Das alles geschah unter höchster Geheimhaltung, auch der Staatssicherheitsdienst der DDR hatte seine Finger im Spiel. Der Ermordete war möglicherweise in diese schmutzigen Geschäfte verwickelt. Aber alle Akten zu diesen Machenschaften wurden unmittelbar nach der Wende geschreddert, und niemand wollte etwas gewusst haben. Die Ermittlungen von Frank Elling und Lona Mendt stecken fest. Elling hat auch private Probleme, seine Frau, die als Journalistin für eine Rostocker Zeitung arbeitet, hat ein Verhältnis mit dem rechtsradikalen Bürgermeisterkandidaten. Geldprobleme hat Elling auch. Den großkotzigen Swimmingpool im Garten des noch nicht bezahlten Vorstadthauses und das Auto, das er seiner Tochter zum Abitur geschenkt hat, möchte seine Bank nicht mehr finanzieren. Im Rahmen der Ermittlungen in Marnow wird Elling von einer mysteriösen Dame kontaktiert, die ihm eine größere Summe Geld anbietet, falls er die Ermittlungen in dem Mordfall ergebnislos abschließt. 20000€ als Anzahlung hat die Dame schon in einem diskreten Umschlag dabei. Elling akzeptiert. Was er nicht weißt: er ist bei der Geldübergabe gefilmt worden.

Holger Karsten Schmidt ist einer der erfolgreichsten deutschen Drehbuchautoren. Unter dem Pseudonym Gil Ribeiro schreibt er die erfolgreiche Krimireihe "Lost in Fuseta", die in Portugal spielt. Der vierte Band dieser Reihe "Schwarzer August" erscheint am 10.06.2020.


Verlag: Beck
ISBN: 978-3-406-74884-4
Preis: 24,00 €
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Long bright river

Liz Moore, Rezension von Bernhard Söthe

Auf dem Cover des Buches steht "Roman", was auch nicht ganz falsch ist, da die Familiengeschichte der Protagonistin eine große Rolle spielt, aber es ist auch ein waschechter Großstadtkrimi. 

Mickey, eine Frau Ende 20, ist Streifenpolizistin in einem üblen Viertel Philadelphias. Drogensucht, Prostitution, Alkoholmissbrauch, häusliche Gewalt - das ganze Elend eines Problemviertels einer modernen Großstadt zieht an Mickey vorbei, wenn sie Streife geht oder fährt. Meistens ist sie alleine unterwegs, ihr langjähriger Partner und Mentor wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und muss lange pausieren. Mickey hat einen kleinen Sohn, sie ist alleinerziehend, oft fällt es ihr schwer, die Bedürfnisse ihres Kindes mit den Anforderungen ihres Berufes in Einklang zu bringen. Mickey, irisch-katholischer Abstammung, hat zwar eine große Familie, aber da gibt es Spannungen. Mickey hat eine jüngere Schwester, Kathy. Ihre Mutter war drogenabhängig und hat sich schon in jungen Jahren zu Tode gefixt. Mickey und Kathy wurden widerwillig von ihrer Großmutter aufgenommen. Geld, Zuneigung, Wärme waren in ihrem Haushalt Mangelware. Schnellstmöglich verlassen die Schwestern die lieblose Umgebung. Mickey, die von ihrer Großmutter daran gehindert wurde zu studieren, wird Streifenpolizistin. Kathy rutscht wie ihre verstorbene Mutter in die Drogensucht ab und finanziert ihre Abhängigkeit durch Prostitution. Mickey und Kathy, die als Kinder aufgrund der schwierigen häuslichen Situation aneinander hingen, haben seit Jahren kein Wort miteinander gewechselt. Manchmal sieht Mickey während ihres Streifendienstes Kathy am Straßenrand auf Freier warten. Kathy hat jeden Kontaktversuch Mickeys abgeblockt, aus ihrer Sicht steht Mickey auf der falschen Seite. 

In Mickeys Bezirk wird eine junge Prostituierte ermordet aufgefunden, kurz darauf eine zweite, beide drogenabhängig. Kriterien, die auch auf Kathy zutreffen, und Mickey ist hochbeunruhigt, als Kathy plötzlich spurlos verschwindet. Aus Kathys Umfeld will niemand mit Mickey reden, sie ist ja Polizistin, also der Feind. Mickey, die zunehmend Probleme mit machohaften Kollegen und Vorgesetzten hat, macht sich auf die Suche nach ihrer Schwester. 


Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26239-2
Preis: 15,90 €
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Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod

Jessica Barry, Rezension von Bernhard Söthe

In unwegsamem Gelände über den Rocky Mountains stürzt ein privates Kleinflugzeug ab. Der Pilot - der Besitzer des Flugzeugs -  stirbt, seine Verlobte Ally, die einzige andere Person an Bord, überlebt. Ganz auf sich gestellt, muss sie versuchen, einen Weg aus der Wildnis heraus zu finden. Allys Mutter wird von der Polizei informiert, dass ihre Tochter den Absturz unmöglich überlebt haben kann. Sie weigert sich, an den Tod ihrer Tochter zu glauben. 

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Ally und aus der ihrer Mutter erzählt. Der Leser erfährt, dass Mutter und Tochter wegen eines Konflikts seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr hatten, obwohl es Allys Mutter immer wieder versucht hatte. Ebenso erfährt man, dass Ally, als sie nach ihrem Studium keine Stelle fand, in einer halbseidenen Bar in San Diego arbeitete. Dort lernte sie ihren später Verlobten kennen, den steinreichen Erben eines Pharmaunternehmens. Diese Firma hat gerade sehr erfolgreich ein Medikament gegen postnatale Depressionen auf den Markt gebracht, das aber wegen massiver Nebenwirkungen noch umstritten ist - es soll sogar Todesfälle gegeben haben. Allys Verlobter hat versucht, Veröffentlichungen über diese Nebenwirkungen zu verhindern und hat sich damit auf dünnes Eis begeben. Jetzt ist er tot, und Ally schlägt sich durch die Wildnis der Rocky Mountains, aber sie ist dort nicht alleine. Jemand verfolgt sie und möchte sie tot sehen. Eine gnadenlose Hetzjagd beginnt. 


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-00126-1
Preis: 20,00 €
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Klein-Sibirien

Antti Tuomainen, Rezension von Kathrin Allkemper

Der ehemalige Ralleyfahrer Tarvainen rast in selbstmörderischer Absicht durch die vereiste Landschaft Finnlands, als plötzlich ein Meteorit in Fußballgröße durch sein Autodach kracht und auf dem Beifahrersitz stecken bleibt. Nach dem ersten Schock ist ihm schnell klar, dass ihm da etwas sehr Wertvolles vor die Füße gefallen ist und schon schmiedet er große Pläne...

Allerdings darf er seinen Fund nicht behalten. Der Gesteinsbrocken soll in einem Institut untersucht werden. Bis dahin wird er im örtlichen Museum eingelagert und abwechselnd von den Männern des Dorfes rund um die Uhr bewacht, denn mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass der Klotz aus dem All rund 1 Millionen Euro wert ist und das zieht selbst das organisierte Verbrechen in das kleine Dorf.

Einer der Aufpasser ist Pfarrer Joel. Der hat allerdings gerade ganz andere Probleme. Eine Kriegsverletzung aus seiner Zeit als Militärpfarrer in Afghanistan hat ihn unfruchtbar gemacht. Bisher fehlte ihm der Mut, es seiner Frau zu erzählen, doch dann eröffnet sie ihm begeistert, dass sie endlich schwanger ist....

Auch der dritte Roman von Antti Tuomainen ist wieder eine gelungene Mischung aus Poesie, Krimi und schrägem finnischen Humor!

 


Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-75753-4
Preis: 16,00 €
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Die Wälder

Melanie Raabe, Rezension von Tanja Tenberg

Endlich ist er da, der von mir so lange erwartete neue Roman der Kölner Autorin Melanie Raabe. Sie schickt uns wieder auf viele falsche Fährten, und am Ende ist alles doch ganz anders.

Doch mal zur Story:

Als Nina die Nachricht erhält, dass ihr bester Freund aus Kindertagen verstorben ist, erinnert sie sich an seinen unbeantworteten Anruf. Den Rückruf hatte sie verschoben auf später und dann irgendwie vergessen.

Er hinterließ ihr die Nachricht, endlich hinter das Geheimnis seiner vor Jahren verschwundenen Schwester Gloria gekommen zu sein. Sie solle zurückkommen in ihre alte Heimat, das Dorf in den Wäldern, das sie vor vielen Jahren mit ihren Eltern verlassen hat.

Nina entschließt sich, ihrem besten Freund seinen allerletzten Wunsch zu erfüllen. Doch dafür muss sie bis an ihre Grenzen gehen - und darüber hinaus. Also startet sie eines Abends von Berlin aus, lässt sich mitnehmen von "Wolff", dem Mann, der damals alles ins Wanken brachte. Und ein Höllentrip beginnt ...

In "Die Wälder" geht es um ein verschwundenes Mädchen und um die Schatten der Vergangenheit. Aber es geht auch ums Erwachsenwerden und vor allen Dingen um Freundschaft.

Lassen Sie sich überraschen und mitnehmen in eine düstere Geschichte, in der nichts so ist, wie es scheint.

 


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31505-5
Preis: 15,90 €
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Schweige still

Michael Robotham, Rezension von Bernhard Söthe

Mit diesem Buch beginnt Robotham eine neue Krimireihe. Der Protagonist Cyrus Haven ist Psychologe und berät die Polizei bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen.

Ein Studienkollege von Cyrus Haven arbeitet in einer staatlichen Einrichtung, in der psychisch auffällige Jugendliche betreut werden. Dort lebt Evie Cormack, die eine schreckliche Kindheit hinter sich hat. Die erlittenen Traumata hat sie noch nicht verarbeitet. Evie ist unangepasst und häufig aggressiv. Jetzt, kurz vor ihrem 18. Geburtstag, beantragt Evie die Entlassung aus dieser Einrichtung. Der betreuende Psychologe dort - Cyrus Havens Studienkollege - ist unsicher, ob Evie ein Leben außerhalb beschützender Mauern bewältigen kann und bittet ihn um seine Einschätzung. Die Geschichte Evies interessiert Cyrus Haven sehr, auch er muss mit den Folgen einer katastrophalen Familiengeschichte kämpfen. Das zuständige Familiengericht bestellt Cyrus Haven auf seinen Wunsch zu Evies Vormund.

Auch beruflich ist Cyrus Haven eingespannt, seine Mithilfe bei der Aufklärung eines Mordfalls ist gefragt. Ein 16jähriges Mädchen ist ermordet und vergewaltigt worden. Die Nation trauert. Das Mädchen war eine Eiskunstprinzessin, Englands große Hoffnung für die nächste Olympiade. Allseits beliebt, kann sich niemand vorstellen, wer dem Mädchen Böses wollte. Als in ihrem Spind in ihrer Schule außer dem üblichen Schülerkram auch 6000 Pfund gefunden werden, ist klar, dass das scheinbar etwas naive Mädchen auch noch eine andere Seite hatte, die sie vor der Öffentlichkeit sorgfältig verbarg. 

Evie Cormack, die inzwischen im Haus ihres Vormunds wohnt, mischt sich ungefragt in die Ermittlungen um den Mord an der Eisprinzessin ein und bringt sich und andere dadurch in tödliche Gefahr.

Die neue Krimireihe des Bestsellerautoren Robotham beginnt vielversprechend. Die dramatischen Vorgeschichten von Evie Cormack und Cyrus Haven sind noch nicht zu Ende erzählt und machen neugierig auf die Folgebände.


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328104926

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Neuschnee

Lucy Foley, Rezension von Bernhard Söthe

Neujahr feiern in einem abgelegenen exklusiven Wellness-Resort im schottischen Hochland - das ist der Plan von neun Freunden, alle Mitte 30, alle wohlsituiert. Dieses gemeinsame Feiern zum Jahresende ist der Clique seit gemeinsamen Studienzeiten eine liebgewonnene Tradition. Aber im Laufe der Jahre zeigt die ehemals enge Freundschaft Risse. Animositäten, Rivalitäten, unterschiedliche Lebenswege lassen sich auch mit Unmengen Alkohol nur mühsam verbergen.

Ein unerwartet heftiger Schneefall macht die einzige Zufahrt zum schicken Resort unpassierbar. Kein Problem - die Haushälterin, ein Wildhüter und der "Mann für alles" sind auch eingeschlossen und kümmern sich um Wohl und Wehe der Gäste. Vorräte gibt es genügend, auch mehr als reichlich Alkohol. Aus den Nachrichten erfährt man, dass die Polizei ausgerechnet in diesem Teil des schottischen Hochlandes nach einem aus der Haft geflohenen Serienkiller sucht. Aber das Resort ist ja praktisch von der Außenwelt abgeschlossen, was soll da schon passieren? Das trügerische Sicherheitsgefühl verpufft, als am Morgen nach einer weiteren alkoholgeschwängerten Nacht der Wildhüter am Rande des Resorts eine Leiche findet. Da waren es noch acht Gäste ...